Cajamarca

Am Freitag, den 2. September sind wir mit Franz, unserem Mentor aus dem Projekt, nach Cajamarca gefahren. Vorher haben wir in Sucre groß eingekauft, was nicht ganz einfach war, weil wir noch keine Vorstellung davon hatten, wie viel wir für eine Woche brauchen. Wir wussten: was wir vergessen, haben wir für eine Woche nicht. So muss es sich anfühlen, in eine einsame Hütte im Wald zu ziehen – oh, genau das machen wir!

Mittags kamen wir an und haben den Rest des Tages damit verbracht, unsere Sachen auszupacken und die Hütte gemütlich einzurichten.

Am späten Nachmittag hat es angefangen, zu regnen. Ich dachte echt, in Bolivien regnet’s nie! So kann man sich täuschen… Es war bisher aber auch wirklich das einzige Mal. Dabei stellte sich heraus, dass das Dach in der Küche ein kleines Loch hat.

Mit der Dunkelheit wurde es wie immer kalt, als wir jedoch den Ofen anmachen wollten, haben wir uns nur ausgeräuchert und nicht gewärmt. Die ganze Hütte war voller Qualm! Mit Hilfe von Franz stellte sich am Montag heraus, dass ein Bienennest den Schornstein verstopfte – die Bienen waren durch unsere Versuche natürlich alle tot – doch erst am Dienstag konnte Franz tatsächlich alle Reste des Nestes beseitigen.

Bis dahin haben wir jeden Abend im Dunkeln, denn Licht gibt’s nur über den Betten und in der Küche, dick eingepackt vor uns hin gefroren. Inzwischen benutzen wir zum Essen eine Kerze, mit der es eigentlich ganz gemütlich ist und seit der Ofen funktioniert, ist unsere Hütte jeden Abend kuschelig warm 🙂 Es ist bemerkenswert, wie sehr Wärme die Stimmung heben kann! Sie war auch schon vorher gut, aber damit erhob sie sich geradezu in so sauerstoffarme Gefilde wie die, die wir hier gerade bewohnen.

Nur morgens ist es auch noch mit Ofen saukalt, denn leider brennt er nicht die ganze Nacht durch. Für einen Morgenmuffel wie mich ist es echt eine Qual, sich um sieben bei gefühlten Minusgraden aus Schlafsack und Decke zu schälen, schnell meine Thermojacke überzuwerfen und in die Küche zu flitzen, um dort Wasser für Tee und eine Wärmflasche aufzusetzen.

An Duschtagen muss ich mich dann auch noch dazu überwinden ins Haus Klaus gegenüber zu gehen und die einigermaßen warmen Klamottenschichten abzulegen, aber sobald ich es geschafft habe und unter der heißen Dusche stehe, würde ich sie am liebsten nie mehr verlassen. Endlich mal so richtig aufzutauen ist ein unbeschreibliches Gefühl! Ich kann nur immer wieder betonen: die große Kleinigkeit für die ich immer am dankbarsten bin ist eine heiße Dusche! Ist sie vorhanden, wird auch alles andere gut!

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Das Haus Klaus mit der warmen Dusche – dort wohnt niemand, sondern es ist möglich es für Gruppen zu mieten.

Am Samstag haben wir erstmal den Holzofen ausprobiert und Sauerteigbrot und Brötchen für die kommende Woche und Pizza für zwei Malzeiten gebacken.

Wir waren fast den ganzen Tag damit beschäftigt! Natürlich mussten wir auch immer wieder mal warten, aber dabei sein mussten wir trotzdem die ganze Zeit. Doña Aleja, die an diesem Wochenende außer uns die einzige Person im Zentrum war, hat uns beim Anmachen des Ofens geholfen. Weil wir beide keine Erfahrung mit einem solchen Ofen hatten und dachten, dass er sonst nicht heiß genug sein würde, haben wir immer mehr Holz reingeschoben. Letztendlich war er dann so heiß, das alles sofort dunkel wurde und von einer Brotform sogar die Beschichtung an zwei Stellen geschmolzen und abgegangen ist… Naja, so lernt man! Nächstes Mal besser!

Das Backen hat sich jedoch sehr gelohnt, so hatten wir an den darauffolgenden Tage weniger Arbeit und außerdem überhaupt mal Vollkornbrot (schön mit Karotten, Chia- und Leinsamen 🙂 ). Wobei ich an dieser Stelle mal meiner Enttäuschung darüber Luft machen muss, dass es hier ausschließlich Weizenmehl gibt. Kein Roggen, kein Dinkel, geschweige denn Gerste oder was es sonst noch so an ausgefallenem Getreiden gibt. So musste ich meinem Sauerteig kurzerhand die Ernährung umstellen und hoffen, dass er, obwohl er auf Roggenentzug ist, ein Jahr durchhält.

Am Sonntag haben wir Spanisch gelernt – in der Küche hängen jetzt lauter, nach Thema sortierte, Vokabellisten – und einen kleinen Spaziergang auf den nächsten Berg gemacht. Dort gibt es zwar nicht das erwartete Restchen Handynetz, aber einen wunderschönen Blick in die Umgebung:

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Wir sind also tatsächlich ziemlich von der Umwelt abgeschnitten. Franz hat uns die einzige Stelle gezeigt, an der es etwa zwei Balken Netz gibt, aber erstmal reicht es nicht mal für Internet und außerdem wollen wir auch gerne erleben, wie es ist, nicht permanent erreichbar zu sein. Wir sind also nur am Wochenende, wenn wir in Sucre sind, erreichbar und beantworten dort gerne, sofern die Zeit reicht, Emails und Nachrichten 🙂

Aber selbst wenn es Internet gäbe, könnten wir nicht allzu viel damit anfangen, weil wir, damit die Solaranlage nicht überfordert wird, nur drei Stunden Strom im Haus Klaus gegenüber haben. Aber ich kann euch beruhigen: wir bekommen die Zeit auch so super gut rum (ein bisschen zu gut, geradezu)! Während ich mir noch jeden Satz von „Die unerträglicher Leichtigkeit des Seins“ drei Mal durch den Kopf gehen lasse, hat Lotte inzwischen Buch Nummer sieben durch. Außerdem haben wir dann doch genug Strom, um ab und zu einen Film zu schauen. Auch mit Tagebuch und anderem Geschreibsel (Blog…), sowie mit mehr oder weniger tiefgründigen Gesprächen und Studiumüberlegungen sind wir gut beschäftigt. Denn, ich hätte es fast vergessen, es gibt ja auch noch die Arbeit im Zentrum.

Am Montag, unserem ersten Arbeitstag, waren wir doch ein bisschen angespannt, weil wir überhaupt nicht einschätzen konnten, was auch uns zukommt. Mit Franz hatten wir nur ausgemacht, dass wir um 8 Uhr anfangen würden. Wir haben es gerade so geschafft, einigermaßen rechtzeitig fertig zu sein. Da er mit den anderen Arbeitern aus Sucre anfahren wollte haben wir bei jedem Geräusch gedacht „jetzt kommen sie, jetzt geht’s los!“ – aber, um 8:30 Uhr war immer noch niemand da. Um 9 Uhr saßen wir dann, gemütlich mit Buch in der Sonne, draußen auf der Wiese. Ich war so versunken, dass ich mich kaum dazu überwinden konnte, wieder aufzustehen, aber irgendwann haben wir beschlossen, doch mindestens Aleja mal unsere Hilfe anzubieten. Wie das immer so ist, hatten wir sie gerade gefragt, als sie ein Motorengeräusch vernahm und der blaue Geländewagen mit Franz und den anderen um die Ecke bog.

Nachdem die anderen noch eine Suppe gelöffelt hatten, sind wir zu fünft ein Stück die „Straße“ (ich sag nur „Geholpel und Geschaukel!“) hoch in den Wald gefahren. Dort haben sich alle erstmal die Backen mit Coca vollgestopft und die anderen drei versucht, Lotte und mir Quechua, die indigene Sprache, die hier in der Gegend am meisten gesprochen wird, beizubringen. Mit unserem holprigen Spanisch sind die Prioritäten diesbezüglich für uns jedoch recht eindeutig.

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Was wir machen würden, wurde uns eigentlich erst so richtig klar, als wir im Wald standen und neben uns der erste Baum umkrachte. So viel zum Thema Aufforstungsprojekt! Aber nein, Ironie beiseite, von irgendwas muss sich das Zentrum ja finanzieren und es werden wohl mehr als doppelt so viele Bäume gepflanzt, wie gefällt.

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Natürlich haben Lotte und ich nicht selber Bäume gefällt. Unsere Aufgabe war es, mit einer Machete in der einen und einem 2m langen Stock in der anderen Hand durch den Wald zu stapfen und die herumliegenden Baumstämme auf eben diese Länge zu markieren. Da sich der Wald an einem steilen Hang befindet, war es teilweise schon anstrengend, von einem Baum zum nächsten zu klettern, im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. Was ich bei meinen paar Besuchen in der Kletterhalle gelernt hatte, konnte ich hier mal so richtig schön in die Praxis umsetzen!

Immer wenn wir wieder runter mussten (meistens zum „cocern“) habe ich die Gelegenheit genutzt und mich, zu meinem Spaß und dem Gelächter der anderen, auf den Allerwertesten fallen lassen und bin, die etwa 20cm dicke Piniennadelschicht als Schnee interpretierend, den Berg runter gerutscht. Winter ist es ja immerhin! Da muss man nutzen, was man hat, und wenn’s pieksige Piniennadeln sind, die danach echt überall waren!

Ich hatte ja schon meine Sorgen, dass Cajamarca so einsam sein würde, dass ich nach dem Jahr so wenig Spanisch sprechen würde, wie davor, doch in den Cocapausen haben wir uns mit den anderen überraschend gut unterhalten. Außer Franz arbeiten mit uns im Wald noch Don Manuel und momentan Lisandro. Franz und Lisandro sind alterstechnisch recht nah an uns, so dass wir uns gut verstehen. Dennoch sind beide schon verheiratet, womit ich jetzt hoffentlich kein Klischee bestätige, denn dafür kenne ich echt noch zu wenige Bolivianer, aber es ist einfach immer wieder überraschend, an was für einem anderen Punkt man mit nur so wenigen Jahren Unterschied stehen kann!

So spät wie wir angefangen hatten, hörten wir auch wieder auf. Es dämmerte bereits, als wir ins Auto stiegen und uns auf den langen Umweg über Punilla (dem nächsten Dorf, in dem sich auch die Schule befindet, in der wir arbeiten) machten, weil einige Bäume den Weg zurück versperrten.

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Am Dienstag stand die gleiche Arbeit noch mal an, nur wirklich um 8h und das Rumgeklettere zwischen den Bäumen wurde immer abenteuerlicher – und die Piniennadelschicht zum Rutschen immer weiter nach unten wanderte, bis sie irgendwann unbrauchbar war :/

Am Mittwoch morgen sind wir, wie geplant, nach Punilla in die Schule gefahren, um in erster Linie mit der Direktorin unseren Stundenpan zu besprechen.

Weil wir von anderen gehört hatten, dass sie direkt am ersten Tag alleine vor einen Klasse gestellt wurden, waren wir leicht aufgeregt. Diese Blase der Aufregung zerplatzte jedoch von einer Sekunde auf die andere, als sich herausstellte, dass die Direktorin am Mittwoch doch nicht in der Schule sei und wir am Tag drauf wieder kommen sollten. „Mañana, mañana…!“ ‚Tschuldigung.

So haben Lotte und ich zum ersten Mal einen Tag lang im Zentrum selber gearbeitet. Lotte hat Don Juan, dem Vierten im „Arbeiterbunde“, geholfen einen Zaun um Annelies Häuschen zu bauen, während ich mit Doña Aleja auf dem Boden kniete und die Baumschule aufräumte. Meine anspruchsvolle Aufgabe war es, die Erde aus den Tütchen auszuleeren, in denen mal Baumsetzlinge gewachsen waren, die jedoch leider von den Hühnern gefressen worden waren.

Die meiste Zeit haben wir still gearbeitet und meine Gedanken wurden nur von einem gelegentlichen „que calor, que calor!“ („was für eine Hitze…!“) von Aleja unterbrochen. Ab und zu haben wir uns auch unterhalten, über Großmütter und Neffen und was es bedeutet, zu bleiben – wobei Aleja diesbezüglich wirklich interessant ist, weil sie tatsächlich ihr ganzes Leben hier in Cajamarca verbracht hat. Keine Europarundreise, kein Backpackertrip durch Australien oder Roadtrip durch Amerika… Das, was heute als so wichtig gilt und was auch ein Grund ist warum ich hier bin, nämlich die Welt kennenzulernen, ist einfach an ihr vorbeigegangen. Und was ist eigentlich so schlimm daran? Es ist unmöglich, in einem Leben die ganze Welt zu sehen, doch wenn man immer nur umherzieht, wird man keinen Quadratzentimeter richtig kennenlernen. Aber ist nicht gerade das auch etwas sehr wertvolles, etwas das einem Halt gibt? Einen Flecken Erde besser als die eigene Hosentasche zu kennen…?

Letztendlich hat jeder die Freiheit seinen eigenen Weg zu gehen, doch dieses Gespräch hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie jede Lebensform ihre Berechtigung, aber auch Vor- und Nachteile hat.

Am Donnerstag sind wir morgens wieder in die Schule gefahren und diesmal war die „Directora“ anwesend. Da sie noch neu ist, wusste sie nichts von uns, hat aber zugestimmt bis Montag einen Stundenplan für Englisch- und Computerunterricht für uns zu erstellen.

Die Arbeit im Wald bestand heute darin, die 2m langen Baumstämme ein paar Meter mit bereits erwähntem blauen Geländewagen durch den Wald zu ziehen. Die Jungs haben sie dann aufeinandergestapelt. Zu meiner großen Freude durfte ich fahren, während Lotte meine Copilotin war ( sie wollte nicht selber fahren). Hach, dieser Geländewagen ist genial! Vierradantrieb mit so richtig viel Power, gute Federung, nur die Schaltung ist ein bisschen holprig und die Stufen im Gaspedal haben Lotte wohl den ein oder anderen blauen Fleck verpasst. Ups. Die Herausforderung bestand für mich darin, die ganze Geschichte rückwärts zu machen, aber das übt! Wenn ich zurückkomme, kann mich keine Parklücke mehr in Verlegenheit bringen ;P

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Um uns am Freitag nach Sucre zu begeben, hatten wir uns um 16h mit Lisandro verabredet. Bis dahin haben wir geholfen, im Zentrum aufzuräumen, weil für’s Wochenende Gäste angekündigt waren. Für Lotte und mich bestand das darin, einen Haufen altes Holz einen Berg hochzuschleppen. Als wir, wider Erwarten, tatsächlich irgendwann fertig waren, haben wir es sehr bedauert, kein „vorher-nachher-Bild“ gemacht zu haben. Wirklich, das war schon ein guter Haufen und die Luftknappheit haut bei solchen Arbeiten doch ganz schön rein.

Nach einer Teepause haben wir wieder Don Juan beim Zaunbauen geholfen und noch ein paar Bretter geschleppt.

Um 16:30h waren wir dann endlich alle bereit und haben uns auf den Weg nach Punilla gemacht, wo die Möglichkeit besteht, einen Bus oder ein Taxi zu nehmen. Lotte und ich jeweils mit einem großen Backpacker auf dem Rücken, einen weiteren mit dreckiger Wäsche hatten wir Franz dagelassen, damit er ihn im Auto mitnimmt. Um nach Punilla zu laufen, was ja auch unser „Schulweg“ ist, braucht man etwa eine dreiviertel Stunde, wobei es erst ein Tal bergab und auf der anderen Seite dann wieder bergauf geht. Erleichtert stellten wir fest, dass es machbar und eigentlich gar nicht sooo weit ist – wobei wir uns durchaus bewusst waren, dass wir in Deutschland einen Schulweg in dieser Länge und zu Fuß nicht akzeptiert hätten.

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Ausblick auf dem Weg nach Punilla

Auf dem Weg haben wir uns mit Lisandro über Preise unterhalten und kamen uns ganz schön blöd vor, als wir die Ausgaben für Rucksäcke und Schuhe mal in Bolivianos umrechneten. Sie waren auch für uns nicht billig, doch schienen sie im Verhältnis zu dem, was wir hier so ausgeben, unbezahlbar. Und darin steckt meiner Meinung nach eine große Ungerechtigkeit: Denn es ist hier zwar möglich, mit relativ wenig Geld recht weit zu kommen, besonders Nahrungsmittel können sehr billig sein (von ausgewogener Ernährung fangen wir in diesem Fall aber lieber nicht an), doch alles Importierte ist unverhältnismäßig teuer. Das macht natürlich Sinn, keine Frage, aber es ist ungerecht. Ein Smartphone oder ein Computer beispielsweise, sind in Deutschland zwar durchaus eine Investition, aber hier reicht dafür oft gerade mal ein Monatsgehalt. Das heißt, bis zu einem bestimmten Punkt stimmen die Verhältnisse, aber dann machen die Preise einen Satz und es entsteht eine Lücke, in die jegliche soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit purzeln, besonders auf globaler Ebene gesehen.

Der Bus aus Punilla hat uns leider nicht vor die Haustür gefahren und so haben wir noch einen kleinen Spaziergang durch Sucre gemacht. Je näher wir dem Zentrum kamen, desto näher kamen wir der Entrada zu Ehren der Jungfrau Guadalupe, wofür, ähnlich wie an Karneval, Massen von Menschen durch die Straßen tanzen.

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Entrada für die „Virgen Guadalupe“

Wir, mit unseren Rucksäcken, waren in dem Gewusel dezent auffällig. Wir hätten eine eigene Tanzgruppe eröffnen können, so sehr schienen wir die Blicke auf uns zu ziehen.

Die Festlichkeiten waren ein Riesenspecktakel und eine sehr zentrale Stelle, an der ich immer wieder vorbei musste, um vom Haus zum Hostel mit ein paar anderen Freiwilligen, die extra für die Entrada angereist waren, zu kommen, war praktisch unpassierbar. Ab und zu hat die Polizei einen Überweg von den tanzenden Menschen gesichert und dann ging das Gedrängel los. Zum ersten Mal konnte ich so richtig nachvollziehen, wie es auf der „Love Parade“ gewesen sein muss. Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl, sich weder vor, noch zurück, noch in sonst irgendeine Richtung bewegen zu können.

Zum Frühstücken sind wir auf den Mercado Central gegangen und haben dort einen dieser grandiosen Obstsalate für etwa 1€ gegessen:

Noch ein paar weiter Eindrücke von Sucre:

Ansonsten war das Wochenende mit Skypen, Einkaufen, Wäsche waschen, Brot-, Brötchen- und Pizzabacken, sowie soziale Kontakte genießen und über Studienmöglichkeiten informieren leicht überfüllt und zwar schön, aber nicht besonders entspannend. Recht erschöpft ging es mit Franz am Montag morgen wieder nach Punilla, wo wir unseren Stundenplan erhielten: Wir müssen an drei Tagen die Woche unterrichten: Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils zwei Doppelstunden von 10:10 bis 13:20. Franz rettete uns jedoch netterweise davor, spontan einen Unterricht schmeißen zu müssen, sodass wir erst mal wieder ins Zentrum zurückgekehrt sind.

Am Dienstag habe ich dabei geholfen, die schön aufgestapelten Baumstämme wieder zu entstapeln, auf eine große Säge zu rollen, an vier Seiten gerade abzusägen und dann wieder neu zu stapeln.

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Da war der Spaziergang in die Schule am Mittwoch diesbezüglich eine willkommene Abwechslung, doch ich fühlte mich unangenehm in die Aufregung vor Referaten zurückversetzt und musste gegen einen Widerwillen dagegen ankämpfen, mich jetzt ernsthaft mit Lotte vor eine Klasse zu stellen und auf Spanisch Englischunterricht zu geben.

Als wir den Schulinnenhof betraten, konnten wir mal wieder alle Blicke auf uns spüren. Unsere erste Stunde hatten wir mit Kindern im Alter von etwa acht bis zehn Jahren. Um die Namen zu lernen hatten wir uns überlegt, dass sich jedes Kind mit „My name is…“ und einem Tier, das den gleichen Anfangsbuchstabe wie sein Name hat, vorstellen solle. Sie waren überraschend motiviert und obwohl wir bei den Tieren eigentlich immer helfen mussten, hatten wir unseren Spaß dabei uns die spanischen Tiernamen erklären zu lassen und dann auf Englisch zu suchen. Die ganze Sache zog sich mit Abschreiben und ein bisschen Herumgewusel letztendlich bis zum Ende der Stunde. In der nächsten Klasse waren wir schon um einiges routinierter darin, Tiere zu finden und die ein bis zwei Jahre älteren Kinder arbeiteten deutlich konzentrierter, sodass wir auch noch die Zahlen wiederholen.

Die absolute Überraschung war dann die Klasse, die wir am Freitag hatten: sie bestand nur aus sechs Schülern im Alter von 12 bis 14 Jahren. Es war das erste Mal, dass kein anderer Lehrer mit uns in der Klasse war. Sie waren sehr interessiert und aufmerksam, sodass wir mit ihnen wirklich gut arbeiten konnten und gut voran kamen! Mal gucken, ob wir es am Ende schaffen, einen James Bond Film auf Englisch zu schauen – mein Versuch, die Aussprache des Buchstaben Qs mithilfe von „Q“ aus James Bond zu erklären, stieß nämlich nur auf ein allgemeines Fragezeichen.

Bis jetzt empfinde ich die Arbeit in der Schule also durchaus als Bereicherung – obwohl ich mich nie dafür beworben hätte und auch nicht habe, das hat sich erst hier so ergeben!

Ansonsten unterschied sich diese Woche noch besonders dadurch von der letzten, dass es erstaunlich viel Wärmer war, sodass mir der morgendliche Sprint in die Küche erspart blieb!

Um noch einmal auf die Überlegungen aus meinem letzten Post, bezüglich der ganzheitlichen Auswirkungen der Aufforstung zurück zu kommen: Als ich Franz in einer Cocapause mal danach fragte, bestätigte er meinen Verdacht, dass es nicht nur positiv sein kann, so in die Natur einzugreifen. Durch die Pinien wird nämlich tatsächlich der Boden sauerer, was dazu führt, dass wiederum andere Pflanzen nicht gut wachsen. Um dem entgegen zu wirken können natürlich Dünger verwendet werden, doch die muss man erst mal haben und vor allem im richtigen Maße einsetzen. Eine zweite, unauffällige Auswirkung ist, dass es zwar mehr Wasser gibt, die Auffangbecken jedoch trotzdem hin und wieder leer sind, weil mehr Bäume natürlich auch mehr Wasser benötigen.

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