Zwischenstopp in Deutschland

Am 3. August kam ich nachmittags wohlbehalten in Deutschland an. Am nächsten Morgen hatte ich in der Uni Freiburg mein Vorstellungsgespräch für den englischsprachigen Studiengang „Liberal Arts and Sciences“ und nur wenige Tage später hatte ich zu meiner große Freude die Rückmeldung, dass ich angenommen wurde! Nun, dreieinhalb Wochen nachdem ich angekommen bin, sitze ich schon wieder im Flugzeug, um noch einmal fünfeinhalb Wochen das Leben mit den Leuten in Bolivien zu genießen, bevor ich mit dem Studium beginne. Wer hätte das noch vor wenigen Monaten gedacht? Ich am allerwenigsten. In diesem Artikel soll es jedoch vor allem darum gehen, wie es für mich war, zurückzukommen.

Mein erster Eindruck als ich aus dem Frankfurter Flughafen trat war, verdammt, ist das alles grau hier, mit den Asphaltstraßen und großen, grauen Flughafengebäuden! Als ich mir dann, wie seit einem Jahr geplant, meinen ersten Laugenknoten kaufte, hätte ich den Preis mal lieber nicht in Bolivianos umrechnen sollen, denn der belegte Knoten kostete mehr als ich im letzten Jahr durchschnittlich pro Tag für Essen ausgegeben habe. Außerdem kamen mir die Floskeln für’s Bezahlen nicht so richtig über die Lippen und immer wieder wären sie mir beinahe auf Spanisch rausgerutscht. Insbesondere ein „Gracias“ lag mir häufig gefährlich weit vorne auf der Zungenspitze. Überhaupt konnte ich mich bis zum Ende nicht so recht daran gewöhnen, dass ich in der Öffentlichkeit mit Leuten, die ich nicht kenne, „einfach“ Deutsch sprechen kann! Im ICE habe ich mich nach den Bussen in Bolivien gesehnt, wo man immer einen Sitzplatz sicher hatte. Von der Kulanz der netten Zugbegleiterin, die mein, unter der Rail&Fly Nummer nicht auffindbares, Ticket einfach akzeptierte, um mir einen komplizierten Prozess zu ersparen, war ich wiederum sehr positiv überrascht. Draußen rauschte die saftig dunkelgrüne Landschaft vorbei, die noch grüner und schöner war, als ich sie in Erinnerung hatte. Zuhause erwartete mich zu meiner großen Freude mein Cello, das so unglaublich wunderschön und weich klingt, und meine Mutter mit ihrer veganen Wildkräuterernährung, die für mich dann doch irgendwie ein zu großer Kulturschock nach dem bolivianischen Essen war. Überhaupt trat die erwartete Freude über das, besonders von den anderen Freiwilligen, lang ersehnte deutsche Essen bisher bei mir nicht ein. Ich finde es durchaus beeindrucken wie gut und reichlich unser Essen ist, in was für einem Überfluss wir leben und doch konnte ich mich in den letzten Wochen nicht ganz so sehr daran erfreuen, wie manch anderer. Ich empfinde es eher neutral: das eine geht, das andere auch. Wo man is(s)t, ist es schon gut, man muss nur offen sein, sich anzupassen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Trotzdem genieße ich es sehr, endlich wieder eine ernstzunehmende Wahl zwischen Fleisch und einem vegetarischen Gericht zu haben.

Von den Preisen in Deutschland war ich immer wieder auf’s neue schockiert. Ich habe mich doch sehr daran gewöhnt, so wenig Geld auszugeben und jetzt verschwindet das Geld einfach so von meinem Konto. Lebensmitteleinkauf für 15€. Sonst waren das 15 Bolivianos (1€ entspricht etwa 7-8 Bolivianos). Haare schneiden bei Hairkiller (der war doch früher so billig??!!): 27€, weil ich auch noch den Langhaarzuschlag bezahlen musste. Wenigstens haben sie’s gut gemacht. Aber in Bolivien hätte mich der Spaß 60 Bolivianos gekostet. Ein Teller beim Libanesen: 10€. In diesem Fall hat es mir zwar wirklich besser geschmeckt als auf dem Markt in Sucre, aber dort hätte ich für einen üppigen Teller das gleiche in Bolivianos bezahlt – und für einen vegetarischen sogar nur 6 Bolivianos. Die Preise sind also teilweise gleich, obwohl der Euro 7 mal so viel wert ist.

Ich dachte immer, in Deutschland bin ich doch auch viel gereist und ich werde bestimmt einige spontane Reisen unternehmen, aber ich hatte echt vergessen, wie kompliziert und teuer Transportmittel hier sind. Für den Bus von Darmstadt zum Flughafen habe ich das gleiche gezahlt, wie für eine Busfahrt von Sucre nach Santa Cruz – die mehr als 12 Mal so lange dauert. Klar sind die Transportmittel hier um einiges moderner, aber ist das wirklich nötig? Von den Klimaanlagen bekomme ich am Ende doch nur eine Erkältung (dieses Flugzeug ist ein fliegender Kühlschrank!) und die Bussitze in Bolivien sind immer noch die bequemsten, die ich kenne. An das Buchen lange im Voraus kann ich mich im Moment überhaupt nicht gewöhnen. In Bolivien bin ich einfach zur Terminal (Busbahnhof) gegangen und habe mir ein Ticket gekauft, wobei ich mir sogar direkt den Platz aussuchen konnte. In Deutschland geht vieles online oder eben auch nicht, denn dann kann keine Preisauskunft gegeben werden, weil – ja warum eigentlich nicht?! Und warum kann ein Ticket, also die gleiche Leistung, nicht einfach immer das gleiche kosten? Da ich mich nicht an die minutengenauen Abfahrtzeiten gewöhnen kann, tendiere ich dazu, gestresst im Bahnhof rumzugejoggen. Umsteigen ist auch eine Herausforderung für sich, es ist so bequem, einfach die ganze Fahrt über sitzen bleiben zu können. Aber ich will mich auch nicht nur beschweren. In den dreieinhalb Wochen bin ich mehrmals mit meinem Cello Zug gefahren und habe viel Hilfsbereitschaft und Offenheit von meinen Mitfahrern erlebt. Zu meiner Freude wurde sehr häufig darauf angesprochen. Diese Offenheit der Leute und das Interesse daran, sich mit jemanden einfach zu unterhalten, habe ich als sehr schön empfunden.

Ich mag die sauberen, sortierten (Alt-)Städte Deutschlands und gleichzeitig vermisse ich manchmal schon ein bisschen das bunte Chaos aus Bolivien. Auch finde ich es schade, dass die meisten Straßen gepflastert oder zubetoniert sind. Es würde mit dem vielen Regen hier wahrscheinlich tatsächlich nicht gut funktionieren, aber es fehlt mir einfach so ein bisschen der Kontakt zur Erde.

Überhaupt ist mir bewusst geworden, wie sehr Kultur und z.B. auch Mode von dem jeweiligen Klima abhängt. In Sucre, wo das Klima das ganze Jahr über ähnlich ist, kann man auch das ganze Jahre über das gleiche anziehen. In Deutschland muss man seinen Kleiderschrank im Winter mit den Winterklamotten bestücken und immer darauf gefasst sein, dass es anfangen könnte zu regnen. In Sucre kann man sich zu 90% darauf verlassen, dass es im Herbst, Winter und Frühling kaum regnet und damit ganz anders planen. In Deutschland müssen wir doch immer noch einen Plan B haben, damit das Programm nicht wegen einem Wolkenbruch ausfallen muss. Wenn wir Pech haben, regnet es mal drei Tage oder mehr am Stück, was schon auf das Gemüt und die Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, schlagen kann. In Sucre geht ein Regen dahingegen immer schnell vorbei und dann erstrahlt auch schon wieder der immer blaue, wolkenfreie Himmel auf’s neue.

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Das große Problem an diesem Dauerschönwetter ist jedoch, dass das Klima recht trocken ist, was sowohl zu Wasserknappheit führt, als auch der Grund dafür ist, dass mir das Grün fehlt.

In Bolivien hatte ich ja immer das Gefühl, dass Deutschland durchschnittlich zwar schon recht hellhäutig ist, aber doch viel bunt gemischt als ich Bolivien empfunden habe. Ich habe den Eindruck, dass es dadurch auch einfacher ist, egal mit welcher Haut- und Haarfarbe seinen Platz zu finden, weil man nicht direkt als Ausländer abgestempelt wird, da es inzwischen einfach viele gibt, die nicht blond und blauäugig, aber in Deutschland aufgewachsen sind. Gleichzeitig war ich mir nicht sicher, ob ich mir das vielleicht doch nur eingebildet hatte. Doch nun kann ich berichten: Ich empfinde es immer noch so. In den Straßen gibt es einfach alles und obwohl ein buntes indisches oder afrikanisches Kleid doch auffällt gibt es auch bei der Mode viele unterschiedliche und dennoch akzeptierte Stile, die oft mehr über die Persönlichkeit, als über die Herkunft aussagen.

Ich war überrascht darüber, wie viele Fremdsprachen ich so in den Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln hören konnte! Als ich in der Sportarena ausschließlich von Französisch und arabischen Sprachen umgeben war, habe ich mich schon gefragt, wie sich dieses multikulturelle Leben einmal auf unser zukünftiges Zusammenleben auswirken wird. Ich finde es ja durchaus spannend und mache absolut mit und dennoch werden wir uns darauf einstellen müssen. Wie gehen wir damit um, dass vielleicht eines Tages ein Großteil der Menschen nicht mehr der Landessprache mächtig sein wird? Werden wir uns letztendlich doch weltweit auf eine Sprache (Englisch?) einigen? Was wird mit den anderen Sprachen passieren? Werden sie weiterhin in den Familien und entsprechenden Freundeskreisen gesprochen werden? Für mich habe ich jedoch noch einmal festgestellt, wie wichtig eine gute Integration der Menschen, die in einem anderen Land leben, als in dem sie aufgewachsen sind, ist. Dabei geht es mir gar nicht in erster Linie um die Frage, wer jetzt die Kultur der anderen übernehmen muss, sondern darum, dass sich Freundeskreise bilden, bei denen sich Einheimische und Eingewanderte mischen. Wie viel hat sich für mich nicht geändert, als ich in Bolivien endlich einen bolivianischen Freundeskreis hatte? Man erfährt einfach viel mehr von den Angeboten vor Ort, hat die Möglichkeit die Landessprache zu lernen und sich auszutauschen.

Ich fand es angenehm, mir in Deutschland nicht so viel Gedanken darum machen zu müssen, dass mir etwas geklaut werden könnte. Auch dass die Polizei normalerweise tatsächlich hilfsbereit ist, ist ein Unterschied zu meinen Erfahrungen in Bolivien.

Gleichzeitig finde ich es ein bisschen anstrengend, dass alles so gut geregelt ist. Für was man nicht alles Strafe zahlen könnte, wenn man erwischt werden würde! Immer automatisch den Anschnallgurt zu benutzen habe ich einfach verlernt. Oft fällt es mir erst ein, wenn irgendwas anfängt zu piepen, um mich darauf hinzuweisen. Außerdem habe ich mich noch nicht so richtig wieder daran gewöhnt, Öffnungszeiten ernst zu nehmen.

Vielen von uns Freiwilligen waren recht schockiert gewesen von der hohen Plastikmüllproduktion, die wir in Bolivien erlebt haben, insbesondere durch die ganzen Plastiktüten. Hier in Deutschland werden zwar wirklich kaum noch Einkaufstüten verwendet und teilweise muss man sogar dafür zahlen und dennoch ist unglaublich viel – insbesondere in der Kosmetikabteilung – schon von der Fabrik aus in Plastik verpackt. Ich finde trotzdem, sich in Deutschland wirklich Mühe gegeben wird, aber es gibt auch noch Verbesserungspotential.

Ich mag diese Kultur des Spazierengehens. Auf dem Weg zum Jesuitenschlößchen den Schönberg hinauf, sind wir so vielen Menschen begegnet, die ganz wunderbar ausgeglichen, glücklich und offen wirkten und oft in intensive Gespräche vertieft waren. Das habe ich in Bolivien nie so gesehen.

Als ich vom Schönberg auf Freiburg heruntergeschaut habe, konnte ich wirklich gut verstehen, warum das Grün mir so gefehlt hatte. Mit den noch frischen Bildern vom immer rot-braunen Sucre im Kopf kam mir Freiburg beinahe wie ein Dschungel mit Häusern dazwischen vor.

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Aus all diesen Erfahrungen nehme ich auf jeden Fall mit: um etwas neues erleben zu können, muss man loslassen und gerade wenn man irgendwo für ein Jahr hingeht, kommt man da früher oder später eh nicht drum herum. Auch wenn es nicht einfach ist, habe ich für mich gemerkt, dass ich mich bisher an alles gewöhnen konnte. Wichtig ist einfach, dass man das genießt, was man gerade hat und dem Rest nicht hinterher trauert, denn man kann einfach nicht alles gleichzeitig haben.

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Ich bin eine Erdenbewohnerin – eine Hommage an die Einheit

Auf Fotos, auf denen die Erde von oben zu sehen ist, ist unser Planet einfach nur eine blaue Kugel mit grünen Flecken umgeben von weißen Wolken. Keine Linien, keine Grenzposten, keine Mauern, alles eins. Warum müssen wir diese Einheit bloß in kleine Teile aufteilen? Warum können wir uns nicht die Freiheit lassen, uns frei darauf zu bewegen? Warum kann nicht jeder dort leben, wo er sich wohlfühlt?

Laut Theresa May ist ein Weltenbürger ein Bürger aus dem Niemandsland, weil er nirgends dazugehört (http://www.zeit.de/2017/12/brexit-theresa-may-grossbritannien/seite-2 „Wer glaubt, er sei ein Weltbürger, ist in Wahrheit ein Bürger aus dem Niemandsland”). Was ist denn das Niemandsland? Ist all das, was wir nicht von klein auf kennen und gewöhnt sind gleich zu niemandem zugehörig? Es ist sicherlich nicht verkehrt, sich seiner Herkunft bewusst zu sein, doch spricht ein solches Bewusstsein wirklich gegen ein Weltzugehörigkeitsgefühl?

Eine gewisse Klarheit ist sicherlich von Vorteil. Es sollte nicht einer Kartoffeln anpflanzen und der nächste sie ernten und davon leben. „Mein“ und „Dein“ ist also grundsätzlich eine positive Entwicklung. Aber ein Acker ist doch noch lange kein ganzes Land! Länder sind das Ergebnis von Unterwerfung und im besten Falle Vereinigung. Doch wann werden wir endlich einsehen, dass wir alle im gleichen Boot – beziehungsweise auf dem gleichen Planeten – sitzen? Wir können nicht mehr in Ländern denken, dafür sind die Geschehnisse auf der Erde viel zu sehr ineinander verstrickt.

Was befürchten die Gegner einer Welteinheit? Überfremdung? Kultur- und/oder Traditionsverlust? Dass es aufgrund von Ländermangel keine Fußballweltmeisterschaft mehr geben wird? Kennen sie nicht die Freude, wenn man nach einer Reise wieder nach Hause zurückkehrt und sich zugehörig fühlt? Als würden so viele Menschen in ein anderes Land auswandern, wenn die Grenzen von den Landkarten und damit hoffentlich auch aus den Köpfen gestrichen werden würden! Dafür ist das menschliche Heimatgefühl meiner Erfahrung nach viel zu groß! Dafür kommt man meiner Meinung nach viel zu gut zurecht mit den Lebensumständen, an die man gewöhnt ist. Außerdem neigen Menschen dazu, an anderen Menschen zu hängen, weshalb ich glaube, dass Familien und Freundschaften stark genug sind, damit kein großes Chaos ausbricht. Und selbst wenn, würde meiner Meinung nach auch daraus wieder etwas interessantes entstehen. Das einzige was von einer Welteinheit wirklich Schaden nehmen würde, wäre die Rüstungsindustrie. Für was sollten noch Waffen produziert werden, wenn Krieg nicht mehr möglich wäre, weil es keine Feinde gäbe?

Gerade in Europa lässt sich bereits gut beobachten, was für ein reger Austausch meist an den Grenzen herrscht. Besonders in Gebieten wie dem Elsaß, die bereits zu verschiedenen Ländern gehörten, ist gut zu sehen, wie egal es ist, zu welchem Land eine Region gehört. Durch die EU haben wir die gleiche Währung, können nach Belieben über die Grenzen und um den kulturellen Austausch zu unterstützen lernen wir in der Schule die Sprache der anderen, was auch noch gut für’s Gehirn ist.

Gibt es deswegen eine Überfremdung in einem der beiden Länder? Und was heißt schon „Überfremdung“? Fremd ist nur das, wofür man sich noch nicht die Zeit genommen hat, es kennenzulernen. Und selbst wenn viele Menschen ihren Wohnort wechseln würden, würde sich bestimmt bald ein neues Gleichgewicht einstellen.

Natürlich gibt es Traditionen, aber Traditionen können sich auch verändern und weiterentwickeln. Genau daraus sind sie ja entstanden und es gibt eigentlich keinen Grund, warum sie plötzlich wie versteinert gegen alle Veränderung immun werden sollten.

Die amerikanische Kultur wie es sie heute gibt, gab es vor 500 Jahren beispielsweise noch nicht. Sie hat sich aus den Kulturen von all den verschiedenen Menschen entwickelt, die sich dort über die Jahre hinweg dort angesiedelt haben. Eigentlich sollten die USA sich besonders gut darin auskennen, mit neuen und verschiedenen Kulturen umzugehen.

Ich fühle mich so hilflos, wenn ich der aktuellen Politik zuschaue. Da überstimmt die ältere Gesellschaft einfach die jüngere und wirft ihr damit Steine vor die Füße, die nicht nötig wären. Dabei gehört doch den jungen Leuten die Zukunft!

Es ist leicht zu fragen, „warum haben die Leute sich damals nicht gegen Hitler gewehrt, warum haben so viele mitgemacht?“ Doch wie viele unternehmen heutzutage wirklich etwas dagegen, dass die EU auseinander fällt und Trump durch die Weltpolitik trampelt?

Die Vereinigung durch die EU hat uns doch so viel gebracht! Allein aus pazifistischer Sicht ist sie sehr wirkungsvoll, denn es gibt schon mal 28 Länder, die zusammenhalten und sich nicht gegenseitig bekriegen. Ich empfinde es als sehr wertvoll, aus so vielen Ländern auswählen zu können, wo ich gerne wohnen und arbeiten möchte. Es ist so schön, dass wir frei umherreisen können und auch wenn eine Währung auf großer Fläche die Gefahr birgt, dass mit einem Mal sehr viel zusammenbricht, ist der Wechsel zwischen den Ländern so um einiges angenehmer.

Sobald wir jedoch in einem Land außerhalb der EU länger als einen bestimmten Zeitraum wohnen oder gar arbeiten möchten, müssen wir ein Visum beantragen und ich frage mich einfach immer wieder „warum verschwenden wir bloß unsere Lebenszeit mit diesen oft langwierigen Visaverfahren?!“ Zum Glück läuft es normalerweise eh darauf hinaus, dass die Einreise erlaubt wird, aber warum dann nicht gleich erlauben?

Doch es haben bei weitem nicht alle Menschen die gleichen Möglichkeiten. Für einen Europäer ist es um einiges einfach in Südamerika einzureisen, als es für so manchen Südamerikaner ist in Europa einzureisen. Bolivianer beispielsweise müssen, um ein Touristenvisum für Europa zu bekommen, u.a. einen Einkommensnachweis und eine Einladung von jemandem vorlegen, der im Ernstfall finanziell für sie aufkommt. Natürlich gibt es einen Kostenunterschied zwischen Europa und Bolivien und trotzdem finde ich, dass das anders geregelt werden sollte. Es könnte beispielsweise das Geld, welches in die Durchführung der Visaverfahren gesteckt wird, lieber als Auffangnetz für die zur Seite gelegt werden, die wirklich in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im Zuge meines Freiwilligenjahres in Bolivien habe ich immer so viel über Kulturaustausch gehört, aber was ist das denn für ein einseitiger Kulturaustausch?! Wo bleibt da die Gleichberechtigung aller Menschen? Was habe ich schon getan, um einen deutschen Pass und die damit einhergehenden Freiheiten zu haben, was andere nicht getan haben?

Ich kann mich nur John Lennon anschließen, der schon seit 46 Jahren in „Imagine“ immer und immer wieder singt „I hope some day you will join us and the world will be as one“ oder Dota Kehr, die in dem Lied „Grenzen“ fragt, wo man sich zur „Erdenbewohner“ ummelden kann. Und sogar schon in dem von Beethoven vertonten Gedicht „Freude schöner Götterfunken“ schreibt Schiller „alle Menschen werden Brüder…“ Wie viele Jahre brauchen wir bloß noch, bis wir das endlich erreicht haben?

Eine wahre Herausforderung wäre es durchaus, eine solche Union zu vereinigen. Schon in der EU gibt es immer wieder Unstimmigkeiten, das würde mit mehr Ländern bestimmt nicht besser werden. Doch es gibt einfach Dinge, die wir gemeinsam in die Hand nehmen müssen, angefangen mit dem Klimawandel und seinen Folgen.

Der Grund aus dem ich diesen Text schreibe ist, dass ich gerne möchte, dass es eine Liebeserklärung mehr an die EU und eine Welteinheit gibt. Ich möchte einen Gegenpol zu den aktuellen Entwicklungen setzen. Auch wenn mein Beitrag klein ist, so ist er ein Anfang. Alles besteht aus vielen kleinen Teilen, sogar wir Menschen. Und es wird nur deswegen ein funktionierendes Ganzes, weil sie eine Einheit bilden.

Es gibt eine Bewegung, der ich mich sehr gerne anschließen möchte: „Pulse of Europe“. Im Moment bin ich jedoch noch auf dem falschen Kontinent (mit Lotte und Plakaten in der Hand durch die Straßen Sucres zu laufen würde wahrscheinlich nur Verwirrung stiften 😀 ). Deswegen möchte ich euch alle, die das lesen und mit mir und der Schlagrythmus von „Pulse of Europe“ einverstanden sind, dazu animieren, an den allwöchentlichen Versammlungen am Sonntag um 14 Uhr teilzunehmen. Hier könnt ihr schauen, ob es in eurer Stadt schon eine Bewegung gibt und wenn nicht, gründet doch einfach eine! (Auch dazu gibt es Informationen auf der Internetseite): http://pulseofeurope.eu/poe-staedte/

(Anmerkung: Den Text habe ich schon vor ein paar Monaten geschrieben)

Kronenbrückenschach

Anmerkung: Ich habe diesen Artikel bereits um Weihnachten 2015 geschrieben, aber irgendwie nie veröffentlicht. Eigentlich weiß ich gar nicht, wie es bei der Kronenbrücke aktuell aussieht, aber ich hatte solchen Spaß dabei, diesen Artikel zu schreiben, dass ich ihn doch gerne noch veröffentlichen möchte. Außerdem wird bestimmt der ein oder andere die Erfahrungen, die mich zu diesem Artikel inspirierten, mit mir teilen können 😉 

Ab und zu werden sogar Beamte kreativ. Geradezu verspielt sogar, so unglaubwürdig es auf den ersten Blick auch scheinen mag. Doch folgendes wird Sie von dieser überraschenden These meinerseits umgehend überzeugen. Da Freiburg ja sowieso schon die „Fahrradstadt“ Deutschlands ist, dachten sich unsere lieben Stadtplaner aus dem freiburger Rathaus wohl: „warum geben wir ihnen nicht mal eine neue Herausforderung?! Fahrrad fahren sie eh schon, da können sie doch gleich auch noch ihre strategischen Fähigkeiten trainieren!“ Das Ergebnis dieses leicht wahllos anmutenden Brainstormings ist das sogenannte „Kronenbrückenschach“. Das Ganze findet, wie der Name schon vermuten lässt, tagtäglich bei der freiburger Kronenbrücke statt, genauer gesagt auf der Behelfsbrücke für Fahrradfahrer und Fußgänger, die die Stadt uns großzügigerweise einzig und allein für diesen Zweck seit einigen Monaten zur Verfügung gestellt hat. Mitmachen können alle die Lust haben, geeignet ist das Spiel für jede Altersgruppe. Schülern der oberen Klassen kann ich insbesondere die Mittagszeit empfehlen. Hier werden sie sehr leicht Anschluss finden, denn um diese Zeit werfen sich die Schüler der naheglegenen Schulen in das, dann besonders stürmisch zugehende, Gefecht. Doch das stört die Jugend ja nicht, nein, das lässt die Partie doch erst richtig spannend werden!

Die Regeln sind simpel: Das allgemeine Ziel ist, auf die andere Seite des Schachbretts – pardon, der Dreisam – zu gelangen. Dabei müssen auf beiden Seiten eine Ampel und die, die beiden Ufer verbindende, Behelfsbrücke überquert werden. Keine Sorge, Schummeln geht nicht, denn die Kronenbrücke selber ist aktuell gesperrt, da sie abgerissen werden soll um nach erfolgreich abgeschlossener Dienstzeit einem jüngeren Exemplar die Chance zu geben, die gelernten Fähigkeiten praktisch anzuwenden. Ob das „Brückenschach“ bei Dienstbeginn der Nachfolgerin weiter fortbestehen wird, steht noch zur Diskussion. Dem Andrang nach scheint es recht beliebt zu sein, doch bis diese Frage wirklich aktuell wird, haben wir zum Glück noch einige Jahre Zeit.

Aber genug von den unbedeutenden Randinformationen, zurück zu den Spielregeln, damit auch Sie sich sobald wie möglich an einer Partie erfreuen können. Das reine Überqueren hört sich erst einmal nicht wie eine außergewöhnliche Herausforderung an. Doch verzagen Sie nicht, denn den reizvollen Teil des Spiels habe ich Ihnen noch gar nicht verraten: spannend wird es nämlich hauptsächlich an den beiden Ballungszentren der Auseinandersetzung, den Ampeln, wie Sie bestimmt unschwer erraten konnten. Hier ist all Ihr strategisches Können gefragt, denn es geht heiß her, wenn die beiden Parteien aufeinander losstürmen, beide mit dem Ziel, so schnell wie möglich auf der anderen Seite anzugelangen.

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen empfehlen, sich davor zu hüten, das Gefecht als Fußgänger anzutreten. Mit einem Zweirad ist zwar die Gefahr umzukippen höher, aber bitte, Sie als Freiburger müssen solchen Bedingungen doch locker gewachsen sein! Ich kann Ihnen versichern, dass, einer Statistik zufolge, ein Fahrrad die Chancen darauf, dass Sie Ihre Gegner schachmatt setzen werden gleich um einige Prozent steigen lässt. Sie wirken einfach ganz anders!

Wenn Sie jedoch von auswärts angereist sind, um unsere einzigartige Attraktion einmal aus der Nähe zu erleben, sollten sie das Rad vielleicht doch erst einmal auf der einen Uferseite anschließen. Wohlgemerkt anschließen, die freiburger Fahrraddiebstahlszene ist nicht zu unterschätzen! Gerade bei einem so beliebten Freizeitangebot wie dem „Kronenbrückenschach“ ist die Gefahr, Opfer der „FaDies“ (Fahrraddiebe) zu werden, besonders hoch. Doch wenn Sie ein hochwertiges Schloß aus einer spezialisierten Fahrradhandelsstelle einsetzen, werden Sie sich wohl unbesorgt einigen Übungsrunden zuwenden können, um sich daraufhin, mit dem wohligen Gefühl von Sicherheit, auf’s Rad zu schwingen. Eines sei Ihnen jedoch noch ans Herz gelegt: Fußgänger sind wie Bauern, die gehen immer als erstes drauf. Aber lassen Sie sich nicht einschüchtern, Sie machen das schon!

Sollte es Ihnen aus genannter Ursache oder auch aus anderem Grunde nicht möglich sein, sich den einschüchternden Eindruck des Zweirades zum Vorteil zu machen, rate ich Ihnen zu einem Kinderwagen. Notfalls tut’s auch ein Rollator – aber Sie müssen schon zugeben, dass so ein Kinderwagen noch mal eine ganz andere Liga ist, nicht?

Lassen Sie uns also einmal eine beispielhafte Partie gemeinsam durchgehen: Während die Ampel auf Ihrer Startseite noch rot ist, haben Sie die Möglichkeit, sich nach eigenem Ermessen strategisch gut zu positionieren. Grundsätzlich gilt, dass man am Rand schneller durchkommt, doch Sie sind ja nunmal nicht der einzige, der diesen Gedanken gefasst hat, sodass ein Startplatz in der Mitte durchaus in Erwägung gezogen werden sollte. Aber überlegen Sie nicht zu langen, denn ehe man sich’s versieht ist die Ampel auch schon grün und das Spiel beginnt.

Jetzt müssen Sie alles geben. Sich schnell rechts an einem entgegenkommenden Radfahrer vorbeischlängeln, drei Fußgänger links liegen lassen und dabei die ganze Zeit ihre Mitstreiter im Auge behalten, sodass Sie eventuelle Überholmöglichkeiten ergreifen können, wenn Sie Ihnen gegeben werden. Und lassen Sie sich nicht von Beschimpfungen der gegnerischen Partei einschüchtern, würden Sie einem so starken und gut vorbereitetem Gegner wie Ihnen selbst begegnen, müssten Sie vielleicht auch hin und wieder Ihrem Frust Luft machen. Aber bleiben Sie fair und verkneifen Sie sich ein selbstzufriedenes Grinsen, wenn Sie mal wieder einen Gegner gefährlich ins Schwanken oder sogar soweit gebracht haben, dass er, wenn er ein Radfahrer ist, zur Sicherheit einen Fuß auf den Boden setzen muss, weil Sie sich nicht einigen könnten, auf welcher Seite Sie aneinander vorbei fahren. Besonders erfüllend ist es, wenn ein Fußgänger zur Seite springen muss, weil Sie zu überzeugend unterwegs waren.

Dann ist der erste Teil auch schon geschafft und sie können beim Überqueren der Behelfsbrücke ein bisschen zu Atem kommen. Wenn Sie die Partie von der Kronenstraße aus angetreten haben, passen Sie, gerade wenn Sie noch nicht so viel Erfahrung haben, auf, dass Sie nicht aus der Kurve fliegen. Aber Sie können mir glauben, auf die Behelfsbrücke runterzurollen, um die Kurve zu sausen und dabei den Fahrtwind in den Haaren zu spüren, das sind die Momente, in denen man sich erinnert, dass das ganze hier einen Sinn hat, und sei er nur, sich beim bergabfahren den Wind durch’s Gehirn pusten zu lassen.

Wenn Sie die Partie aus der Stadt kommend angetreten haben, ist dies ein etwas kniffeliger Abschnitt, denn es geht steil bergauf und sie müssen einmal so richtig in die Pedale treten. Doch mit etwas Training können Sie gerade das zu Ihrem Vorteil machen: Wie oft habe ich nicht schon gesehen, wie der ein oder andere, der die Strapazen des Spiels unterschätzt hatte, erschöpft vom Sattel rutschen und seinen Drahtesel schieben musste. Das haben Sie nicht nötig! Sorgen Sie mit etwas Training vor und nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, auch den letzten penetranten Gegner auszustechen. Das gleiche kann Ihnen ebenso mit einem schweren Kinderwagen oder Rollator zum Verhängnis werden – Unterschätzen Sie das bitte nicht, wenn Sie einen Platz auf der Bestenliste anstreben.

Bleiben Sie jedoch immer entspannt und gehen Sie das Spiel locker an. Wenn ich merke, dass ich mal wieder zu sehr auf den Sieg fixiert bin, rufe ich mir immer wieder gerne ein Zitat von Tarrasch ins Gedächtnis: „Die Gegner setzen sich selber matt. Man muss nur etwas warten.“ Zu verbissen zu sein, lässt Sie engstirnig werden und verringert somit Ihre Chancen auf den Sieg.

Die zweite Ampel ist nun das Finale. Setzen Sie noch einmal alle Ihre strategischen Fähigkeiten ein, positionieren sie sich gut, um bei „grün“ ein letztes Mal alles zu geben und diese Runde hoffentlich siegreich abschließen zu können.

Ich hoffe, Ihnen hiermit die ersten Schritte in das Leben eines Kronenbrückenschachspielers zu erleichtern, doch vergessen Sie nicht: auch als Kind brauchten Sie etwas Zeit, um das Laufen zu lernen. Verzeihen Sie es sich also, wenn Ihnen nicht gleich Ihr erster Versuch einen Sieg beschert. Und selbst als erfahrener Spieler kann es mal nur für den zweiten oder dritten Platz reichen, denn „es genügt nicht, ein guter Spieler zu sein, man muss auch gut spielen.“

Zuletzt möchte ich Ihnen noch unsere Kronenbrückenschach-App Nahe legen, die Sie sich für nur 4,93€ im App Store und bei Google Play herunterladen können und mit der Sie nie wieder die Übersicht über Ihre heldenhaften Siege verlieren werden.

In diesem Sinne: machen Sie sich gleich auf, um eine erste Runde zu spielen! Verschwenden Sie Ihre kostbare Lebenszeit nicht mehr mit anderen Dinge als dem einzigartigen und sensationellen freiburger Kronenbrückenschach!

Ich hoffe, Sie bald auf dem Spielfeld anzutreffen, bis dahin, alles gute!

P.S.: Passen Sie auf, dass Sie im Eifer des Gefechts nicht ins Wasser fallen!

Fotomasse

Gerade bin ich drei Jahre meiner Fotomediathek im Schnelldurchlauf durchgegangen, weil ich gerne ein „paar“ (ca. 150 😀 ) für meine Wände, für ein Album und zum Verschenken ausdrucken möchte. Ein scheinbar endloses Unterfangen! Das hört einfach nicht auf! So viele Fotos, so viele Erlebnisse, so viele Erinnerungen, die trotz allem ein bisschen in Vergessenheit geraten sind. Wozu machen wir eigentlich diese ganzen Fotos? Natürlich sind ein paar ganz schön anzuschauen, aber es ist heutzutage doch wirklich so leicht geworden, einfach abzudrücken, herumzuexperimentieren, ein Motiv zehn Mal, fünfzig Mal oder auch hundert Mal abzulichten…! Wobei davon dann meistens höchstens ein Foto wirklich gut ist.

Ganz schlimm wird es, wenn ich die Fotos von verschiedenen Leuten auf meinem Computer gesammelt habe. Dann gibt es jedes Motiv gefühlte zwanzig Mal! Natürlich ist es auch interessant die verschiedenen Blickwinkel wahrzunehmen und doch ähneln sich die Bilder oft sehr. Wozu machen wir eigentlich diese ganzen Fotos, wenn wir zumindest viele Landschaftsbilder oder Bilder von Sehenswürdigkeiten in ähnlicher Ausführung über Google finden können?! Wo bleibt bei dieser Masse die Einzigartigkeit der Bilder? Erinnern Bilder nicht allzu oft „déjà-vu-artig“ an ein anderes, bereits zuvor gesehenes Bild? Aber was ist man schon für ein Künstler, wenn man glaubt, nichts neues mehr schaffen zu können?!

Was ich auch sehr interessant fand war, wie sich mein Blick auf die Fotos verändert hat. Manche Fotos, insbesondere Fotos auf denen ich selber zu sehen bin, fand ich unmöglich, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Doch jetzt, Monate oder gar Jahre später, finde ich sie gar nicht mehr so schlimm. Teilweise sogar ganz nett! Es scheint mir, als bräuchte ich ein bisschen Abstand um von meiner eigenen Vorstellung loszukommen und die Fotos einfach so sehen zu können, wie sie sind. Wobei, was heißt schon „wie sie sind“? Auf einer Postkarte habe ich einmal folgendes Zitat gelesen:

Jedes Ding hat drei Seiten.

Eine, die du siehst,

eine, die ich sehe,

und eine, die wir beide nicht sehen.

Überhaupt ist man oft mit eigenen Fotos unnötig kleinlich. Wer mich kennt weiß, dass ich darin mindestens einen Doktortitel habe. Oft schaue ich mir Fotos von mir selber nicht einmal sofort an, weil ich mich zu sehr vor der Differenz von dem Foto zu meiner eigenen Vorstellung fürchte. Und jedes Mal frage ich mich, was nun die Wahrheit ist, meine Sicht, bzw. Vorstellung, oder das Foto? Wahrscheinlich weder noch.

Schon in meiner Zwölftklassarbeit (Waldorfschule 😉 ) habe ich über diese Massenproduktion von Fotos philosophiert und hatte mir eigentlich vorgenommen, das mal ein bisschen in den Griff zu bekommen. Aber letztendlich drücke ich dann doch immer wieder noch mal ab, um das zuvor entstandene Ergebnis zu perfektionieren und immer wieder gehe ich die Fotos danach nicht am Computer noch mal durch, um die zu löschen, die einfach nichts geworden sind. Dafür fehlt mir einfach die Zeit und der Nerv. Und außerdem: man weiß ja nie! Vielleicht brauche ich sie ja doch noch einmal. Und wen juckt dass schon, ob das jetzt ein paar Gigabyte mehr oder weniger sind?!

Grundsätzlich niemanden. Und doch kann ich nicht aufhören mich zu fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, sich auf die Wesentlichen zu konzentrieren.

Wenn das nur so einfach wäre…

Hier mal ein paar Wiederentdeckungen, die ich eigentlich schon länger posten wollte, aber nie einen Anlass dazu hatte. Deswegen ist das auch so eine bunte Mischung!

Von der Kunst, anzufangen

Du musst nicht großartig sein, um loszulegen, aber du musst loslegen, um großartig zu sein. (Zig Ziglar)

Es gehört unglaublich viel Mut dazu, anzufangen. Sich dem Risiko auszuliefern, zu scheitern, eine Angst, die wir alle in uns tragen; die uns zuweilen lähmt und selten anspornt. Es ist die Angst einen Weg einzuschlagen, dessen Ende im Ungewissen liegt. Er könnte in einem Abgrund enden, der uns verschluckt oder aber an einem unerwarteten, ungekannten Ort, welcher sich als Ziel entpuppt. Denn genau dort ankommen, wo wir es uns vorgestellt haben, werden wir selten.

Wenn er an einem Abgrund endet, liegt die Kunst darin, diesen als Aussichtspunkt zu verstehen. Wenn man jedoch an sein Ziel gelangt, gilt es, sich seines Glückes bewusst zu werden und die Situation zu schätzen wissen.

Werden wir jemals ankommen? Kaum haben wir ein Ziel erreicht, wartet auch schon die nächste Aufgabe. Nie wissen wir, was uns hinter der nächsten Kurve unseres Lebensweges erwarten wird. Aber obwohl wir uns immer nach Sicherheit und Stabilität sehnen, sind es doch genau die Spannungen, die das Leben lebenswert machen. Würden wir schon genau wissen, was unsere Entscheidungen bewirken werden, wären wir wahrscheinlich zu Tode gelangweilt. Wozu müsste man dann noch leben?

Auch wenn es einem selten so vorkommt: Die schönste Zeit ist immer die des Schaffens. Gleichzeitig ist sie die Zeit der größten Ungewissheit. Das ist es, was uns ungeduldig macht und uns wünschen lässt, bereits angekommen zu sein.

Der letzte Wegweiser liegt bereits einige Kilometer zurück und nun muss der eigene Weg gefunden werden. Es muss für ein ungewisses Ende gekämpft werden, in dem alle Hoffnungen liegen und von dem man nicht weiß, ob es überhaupt erreichbar ist. Begegnet man anderen Suchenden kommt der Vergleich auf und die Infragestellung der eigenen Persönlichkeit. Bin ich gut genug? Habe ich überhaupt eine Chance zu bestehen?

Doch ist das Ziel nach all den Mühen und Anstrengungen endlich erreicht, ist plötzlich wieder Zustand des Reisens wünschenswert, weil man dabei noch ein Ziel hatte. Einen Lebenssinn. Aber schon bald ist die nächste Weggabelung zu erkennen, kommen die nächsten Entscheidungen auf einen zu, die getroffen werden müssen und auch eine Hügelkette ist bereits am Horizont zu erkennen.

Es ist die Gegenwart, die wir genießen, die Vergangenheit aus der wir lernen und die Zukunft, die wir anstreben müssen. Wir müssen nicht anfangen, um irgendwann Erfolg zu haben und großartig zu sein. Wir müssen anfangen, um zu leben. Von der Zukunft und den damit verbundenen Ängsten dürfen wir uns nicht einschränken lassen.

Nur das Bewusstsein der Zeit und die damit verbundene Unsicherheit ist es, die uns daran hindert, das zu tun, was wir wollen. Sich der Zukunft und der Vergangenheit bewusst zu sein, ist ein Reichtum und eine Last.

Doch es liegt bei uns, welche Seite der Münze wir sehen. Wir sind frei, die Gegenwart zu wählen und loszulegen. Nur die wenigsten werden von Anfang an großartig sein. Doch wer nicht anfängt, schließt von vornherein aus, großartig zu werden.

Das ist das Risiko des Lebens. Was haben wir schon zu verlieren?