Buch #3: Alhambra

Kennt ihr diesen Moment vor einer Reise, in dem man sich denkt: Oh. Mein. Gott. Was ist, wenn ich nicht mehr zurück komme? Was ist, wenn irgendwas passiert? War es die Reise dann wirklich wert?

Bei mir gibt es diesen Moment jedenfalls vor fast jeder Reise. Mal dauert er länger an, mal kürzer. Diesmal eher länger. Ich muss schon sagen: Ich bin ziemlich aufgeregt. So aufgeregt, dass ich jetzt nicht einfach schlafe, obwohl ich morgen um 6 Uhr aufstehen muss, sondern noch einen Artikel für meinen Blog schreibe. Heijeijei.

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich etwas passiert, doch soooooo gering! Gerade in Nordirland und Schottland! Wobei es ja auch noch den Flug gibt. Aber ich weiß, auch das Fliegen ist statistisch gesehen ziemlich sicher. Und selbst wenn etwas schief läuft, bringt es eigentlich rein gar nichts, sich jetzt einen Kopf darüber zu machen! Was bringt es schon, sich tagelang Sorgen zu machen, statt das Leben zu genießen, selbst wenn man dann stirbt! Am besten lebt man einfach im Moment und genießt das Leben in dem Vertrauen, dass schon alles so laufen wird, wie es soll. So viel zur Theorie. Wenn das in der Praxis doch bloß so einfach wäre!

Ich denke, es ist einfach die Ungewissheit, die mir Angst macht. Außerdem verlässt man bei einer Reise nunmal die häusliche Komfortzone und macht sich zu neuen Dingen auf. Vielleicht macht es uns auch Angst, dass gewissermaßen tatsächlich bei jeder Reise ein Teil von uns „stirbt“, um es einmal ganz dramatisch auszudrücken. Mit anderen Worten: man verändert sich einfach auf einer Reise und lässt einen Teil von sich zurück. Aber man bekommt ja auch viele neue Eindrücke dazu. Vielleicht lässt sich das in ähnlicher Weise auch auf den Tod übertragen: wir lassen zwar etwas zurück – unseren Körper – aber es erwartet uns auch neues. Das macht das ganze doch gleich viel schmackhafter!

Um noch einmal auf meinen leicht gescheiterten Lesemarathon zurückzukommen: Ich habe ja tatsächlich noch ein Buch gelesen: „Alhambra“ von Kirsten Boie. Damit war ich eigentlich schon vor einer Woche fertig, kam aber nicht dazu den Bericht zu schreiben. Das Buch, das ich danach angefangen habe, „Mein Hund, meine Sau, mein Leben“, konnte mich leider bis Seite 39 immer noch nicht richtig packen, weshalb ich es wohl aussortieren werde.

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In „Alhambra“ geht es um den Jungen Boston, der während einer Klassenfahrt nach Granada durch das Berühren einer Fliese mehr oder minder versehentlich in das Jahr 1492 katapultiert wird. Schon bald wird er als „Teufelsbündner“ verfolgt und muss um sein Leben, und vor allem um einen Weg zurück in seine Zeit, kämpfen.

Ich muss sagen, dass es schon ein bisschen komisch war, jetzt wieder ein Jugendbuch, sogar beinahe ein Kinderbuch, zu lesen. Aber ich wollte ja die Leichen meines Bücherregals angehen, und dieses Buch war eine besonders tief vergrabene. Ich hatte mir das Buch einmal sehr zum Geburtstag gewünscht, aber als ich dann tatsächlich angefangen habe, es zu lesen, konnte ich nicht richtig in die Geschichte reinfinden. Genauso ging es mir auch jetzt wieder, ich wollte dem Buch jedoch noch eine letzte Chance geben und habe mich so durch die ersten fünfzig Seiten gekämpft. Und dann hat es mich tatsächlich doch noch gepackt!

Dieses Buch zu lesen war ein bisschen wie eine persönliche Zeitreise in meine Lesevergangenheit. Die Geschichte hat mich irgendwie an „Skogland“ (ein früherer Roman von Kirsten Boie) erinnert, eines der ersten Bücher die ich mir selber gekauft habe und in drei Tagen durchgelesen habe (ich habe es mir sogar bei einer Lesung von Kirsten Boie persönlich empfehlen lassen!). Vielleicht lag es einfach daran, dass beide Bücher von der gleichen Autorin geschrieben wurden, von der Art her hat mich aber auch insbesondere Prinzessin Johanna aus „Alhambra“ an Prinzessin Malena in „Skogland“ erinnert.

Im großen und ganzen war ich positiv überrascht davon, wie gut die Autorin die Hintergründe recherchiert hat – und wie nahtlos sie diese, doch ziemlich fantastische, Geschichte in die Version der Geschichtsbücher einfügen konnte.

Wie andere Leute nach Filmfehlern suchen, suche ich gerne nebenbei nach Fehlern in Büchern. In „Alhambra“ ist mir ein besonders vertrackter Satz aufgefallen. Es werden Euromünzen beschrieben, doch es liegt ein kleiner Verdreher vor, sodass der Satz doppelt gemoppelt ist: „Kupfer, Messing, Silber, manche zweifarbig sogar, Messing mit silbernem Rand und Silber mit Messing in der Mitte.“ (S. 213 der gebundenen Ausgabe). Das ist doch das gleiche!!!! Aber, jaja, jeder macht Fehler und ich stelle es mir auch nicht leicht vor, ein ganzes Buch von vorn bis hinten von Fehlern zu befreien.

Auf jeden Fall hat das Buch mein geschichtliches Wissen zu der Zeit aufgefrischt, weshalb ich es jedem lern- und lesefreudigem Kind/Jugendlichen wärmstens empfehlen kann. Wie viele Erwachsene Freude an dem Buch haben werden, kann ich nicht einschätzen, aber wer sich für die Zeit und Kolumbus interessiert sollte dem Buch auf jeden Fall einmal eine Chance geben!

Boston hätte sich vor der Klassenfahrt bestimmt auch nicht träumen lassen, was ihm so passieren würde, also ich bin wirklich gespannt, was mich jetzt alles erwartet.

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Buch #2: Blutsbrüder

Auch diese Woche hat die Reiseplanung noch sehr viel Zeit in Anspruch genommen und mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, bezüglich meines Lesemarathons. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Schottland sind wirklich unübersichtlich! Und ich hätte nie gedacht, dass ein Fluss so unüberwindbar sein könnte! Denn ich werde in Creetown wohnen, einem kleinen Örtchen, dass wahrscheinlich mehr oder weniger in Sichtweite von Wigtown liegt – aber dazwischen ist dieser Fluss, sodass ich gezwungen bin, 10km zur nächsten Brücke und dann auf der anderen Seite des Flusses die ganzen 10km wieder zurückzufahren. Und das ganze eben mit dem Bus, weil ich mir nicht mal ein Auto mieten kann, da ich noch zu jung bin. Immer diese Probleme mit dem Alter!

Genau die kennen auch die Protagonisten von Ernst Haffners „Blutsbrüder“ zur Genüge.

Wobei es bei ihnen natürlich nicht nur um’s Auto leihen oder andere Kleinigkeiten geht, sondern mehr oder weniger um’s blanke Überleben, wenn sie nicht gerade in einer Fürsorgeanstalt ihre Jugend absitzen wollten. Denn das war der Ort der eigentlich für sie bestimmt war. Doch die mutigeren und vor allem freiheitsliebenden streiften lieber heimatlos und hungrig durch die Straßen irgendwelcher Städte, anstatt in der Fürsorge ihrer Individualität beraubt zu werden. Obwohl natürlich auch dieses harte Leben letztendlich ihre Individualität und ihren Willen auf die Probe stellte, sodass es fragwürdig ist, ob es am Ende einen so großen Unterschied macht. Denn auf der Straße wurden sie genauso wie in der Fürsorge von menschlicher Grausamkeit zermürbt, allein schon weil sie permanent in der Angst leben mussten, wieder eingewiesen zu werden, wegen irgendwelcher Auffälligkeiten und der darauffolgenden Entdeckung der fehlenden Papiere. Erst mit 21, um noch mal auf das Alter zurückzukommen, galten sie als mündig und konnten sich neue Papiere beschaffen, was ihnen auch ermöglichte, eine richtige Arbeit anzunehmen und eine Wohnung zu mieten.

Aber immerhin hatten sie die Straße sozusagen selbst gewählt. Unter Umständen in denen sie eigentlich keine Wahl hatten.

Mal wieder frage ich mich, warum Menschen anderen Menschen das Leben so schwer machen müssen. Wär wohl sonst nicht spannend.

Die Handlung des Buches dreht sich um die Clique der Blutsbrüder, einer Gruppe von neun Jungs im Alter von 16 bis 21 Jahren, geleitet vom „Cliquenbulle“ Jonny, dem ältesten. Es gibt keinen klaren Protagonisten, mit der Zeit fokussiert der Autor jedoch auf das Schicksal von Willi und Ludwig, die beide aus der gleichen Fürsorgeanstalt ausgebrochen sind und sich zufällig auf Berlins Straßen wieder treffen. Dort, und in den Berliner Kneipen, ist es auch, wo die Handlung größtenteils stattfindet, aber sowohl die Achse eines D-Zuges als auch ein Kasten mit Streusand werden unter anderem zum zwischenzeitlichen Handlungsschauplatz.

Doch warum liest sich das Buch jetzt gut im Anschluss an „Der Schatten des Windes“?

Nun ja – es war selber mal ein „vergessenes Buch“! Es wurde 1932 veröffentlicht, von einem Autor, von dem nur bekannt ist, dass er Sozialarbeiter war, von 1925 bis 1933 in Berlin gelebt hat und dass er 1938 zur Reichsschrifttumskammer zitiert wurde. Danach taucht sein Name nicht wieder auf. Sein Buch war knapp 80 Jahre lang in Vergessenheit geraten, nachdem es von den Nazis öffentlich verbrannt worden war. Der Originaltitel war übrigens nicht „Blutsbrüder“, sondern „Jugend auf der Landstraße Berlin“, aber den Verlegern von Metrolit, dem Verlag in dem das Buch 2013 neu verlegt wurde, war wohl nach was neuem.

Ein bisschen juckt es mich jetzt ja schon in den Fingern, mich wie Daniel Sempere auf Spurensuche zu machen. Aber irgendwie kann ich nicht daran glauben, wirklich etwas zu finden.

Jedenfalls stellt sich Haffner klar auf die Seite dieser verwahrlosten Jungs – wer weiß, vielleicht war er ja sogar selber einmal ein Cliquenmitglied. Oder er wurde einfach von seinem Beruf als Sozialarbeiter inspiriert.

Die Sprache ist das krasse Gegenteil zu der Sprache in „Der Schatten des Windes“: knapp und hart. Das ganze Elend ist überwiegend mit kurzen Sätzen beschrieben, als sei der Autor so knapp an Worten wie seine Protagonisten bei Kasse. Trotz dieser weniger bildlichen Sprache – oder gerade deswegen – hat mich der Stil an einen Film erinnert. Wie in einem Drehbuch werden dem Kopfkino knappe Anweisungen gegeben und wie um einem auch noch die richtigen Bilder auf die Leinwand zu geben, sind jeweils am Kapitelanfang zwei Fotos abgebildet. Nachdem die Situation kurz dargestellt wurde, wird auf die einzelnen Personen „eingezoomed“, doch genauso schnell wird auch wieder Abstand genommen und ein Überblick gegeben – ab und zu auch aus der Sicht der Gegner.

Dadurch habe ich mich als Leserin immer in bisschen distanziert gefühlt – schon gewissermaßen als Teil des Geschehens, aber eben in der Rolle des außenstehenden Lesers.

Ernst Haffner richtete sich mit diesem Buch an seine Zeitgenossen und wollte, so nehme ich an, auf die tragischen Schicksale der damaligen Jugend aufmerksam machen, Verständnis schaffen und hoffte wohl auch, auf diesem Wege Verbesserungen zu erreichen. Das Werk wurde von den Lesern auch ganz gut aufgenommen, zumindest wird es in mehreren Kritiken gelobt. Im Simplicissimus werden sogar Vergleiche zu Räuber- und Indianergeschichten gezogen. Doch gerade das finde ich zwiespältig, denn es ist nun mal kein erfundener Abenteuerroman, sondern durchaus an der Realität orientiert. Das Buch ist kein Genuss. Was beschrieben wird ist eigentlich einfach nur schrecklich, eine schreckliche Wahrheit, die auch heute noch, wenn auch in Deutschland nicht mehr in diesem Maße, zu finden ist.

Doch das Buch wird immerhin die Leser, die es nicht nur als spannende Unterhaltung ansehen, durchaus zum Nachdenken und im besten Fall auch zum Handeln bringen. Das Potential dazu hat es auf jeden Fall. Das scheinen ja selbst die Nazis bemerkt zu haben. Sonst hätten sie es nicht verbrannt.

Buch #1: „Der Schatten des Windes“

Anscheinend war mein Vorhaben, alle drei Tage ein Buch zu lesen, doch ein bisschen zu ambitioniert. Ich werde den Versuch natürlich dennoch fortführen, denn in den letzten Tagen hatte ich auch erschwerte Bedingungen, weil ich nebenher noch spontan eine zweiwöchige Reise nach Nordirland und Schottland organisiert habe, sodass ich dieses Jahr endlich am Wigtown Book Festival teilnehmen werde! Ich hatte darüber bereits vor drei Jahren in der Zeitung gelesen und Schottlands offizielle Buchstadt Wigtown hörte sich schon damals wie ein Paradies für mich an: das kleine Städtchen hat knapp 1000 Einwohner und an die 20 Buchläden. Die Krone dieser, für BuchliebhaberInnen reizenden, Schöpfung ist das alljährige zehntägige Buchfestival Ende September, zu dem ich bisher immer nicht reisen konnte, weil ich keine Ferien mehr hatte. Ich liebe es, keine Schule mehr zu haben!!!!!

In gut zwei Wochen geht es jedenfalls los und ich bin schon sehr gespannt!

Doch zurück zum eigentlichen Thema dieses Eintrages: das Buch mit dem poetischen Titel „Der Schatten des Windes“ oder im Original „La sombra del viento“ von Carlos Ruiz Zafón.

Im Schatten des Windes

Das Buch war mir immer wieder begegnet, einmal war ich sogar kurz davor gewesen, es auf einem Flomarkt zu kaufen, doch die Verkäuferin hatte mich mit der Aussage, das Buch sei traurig, noch einmal davon abgeschreckt. Letztendlich habe ich es zum 18. Geburtstag geschenkt bekommen. Da sieht man mal wieder, wie sich alles fügt. Womit wir auch schon bei einem Kernthema des Buches wären: Schicksal und Fügung. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein verworrenes Netz aus Lügen, Hass und Bosheit, in dem der, zu Beginn 10 jährige, Junge Daniel Sempere nach der von allen Beteiligten verschwiegenen Wahrheit über das Leben des erfolglosen Autor Julían Carrax forscht. Doch mit der Zeit lässt sich ein Plan dahinter entdecken, eine Art Schicksal. Während den ersten 100 Seiten bleibt das Buch so anziehend trist und dunkel wie der im ersten Kapitel so wunderschön beschriebene Friedhof der vergessenen Bücher, doch dann wird die Erzählung mit dem Witz des ehemaligen Obdachlosen Fermíns aufgelockert, der mich immer wieder zum schmunzeln gebracht hat. Zum Ende hin verabschiedet sich noch einmal jegliche Hoffnung und ich fürchtete schon, der Frau vom Flomarkt recht geben zu müssen, dass es ein wirklich trauriges Buch sei, doch dann wurde ich zum Glück doch noch von einem glücklichen Ende überrascht. Wobei, was heißt schon überrascht?! Wie Oskar Wilde, John Lennon, Ed Sheeran oder wer auch immer schon sagte: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“

Schon von der ersten Seite an hatte es mir die Sprache angetan. Ich weiß nicht,ob ich schon mal ein Buch gelesen habe, das so bildhaft geschrieben war, wie dieses. Immer wieder greift der Autor zu bildlichen Vergleichen oder spielt mit der Sprache und der Doppeldeutigkeit von Wörtern. Sonst denke ich oft, dass der Sprache in den Büchern heutzutage doch so viel verloren gegangen ist. Gleichzeitig geht es mir bei älteren Büchern, wie z.B. „Dantons Tod“ schon wieder etwas zu weit, weil man darin keine zwei Wörter lesen kann, ohne über deren versteckten Sinn nachzudenken. „Der Schatten des Windes“ hatte für mich genau das richtige Maß an Tiefe und Lesegenuss.

Ein Satz wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben: „Bücher sind Spiegel: Man sieht in ihnen nur, was man schon in sich hat“ (S. 250, Z. 7).

Besonders begeistert hat mich auch die Eigenständigkeit dieses Romans. Er ist nicht eine Reproduktion von bereits mehrmals unter verschiedenen Titeln veröffentlichten Geschichten, sondern steht auf eigenen Füßen. Beziehungsweise wenn es ein Buch gibt, in dem eine Geschichte dieser Art schon einmal erzählt wurde, kenne ich es nicht. Ich denke, dass der Roman so viele Menschen anspricht, weil für jeden was dabei ist: Es gibt mehrere romantische, wenn auch teilweise sehr bittere Liebesgeschichten, sowie Action und etwas Grusel, Drama und Spannung. Er entführt den Leser in das Barcelona wie es wohl Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts existierte und damit in eine Welt, die mindestens mir bis dahin unbekannt war. Es war mal was anderes als London, München, Hamburg und Berlin, wo sonst so viele Geschichten ihren Handlungsort habe. Barcelona ist durch dieses Buch auf jeden Fall zu einem weiteren Punkt meiner Reiseliste geworden.

Doch obwohl ich eine sehr positive Meinung von dem Buch habe, kann ich nicht leugnen, dass es mir mit dem Pech, das die Figuren hatten und der Grausamkeit, die sie sich gegenseitig zugefügt haben, teilweise etwas zu weit ging. Manchmal hätte ich ihnen am liebsten zugerufen „Leute, Gewalt ist keine Lösung!“ und allen einen Kurs in gewaltfreier Kommunikation spendiert oder mindestens den Rat gegeben, nicht alles ganz so ernst zu nehmen. Das Leben geht schon irgendwie weiter, nur wenn man sich gegenseitig umbringt, wird das schwierig. Ich finde es überhaupt eine literarische Frechheit, dass immer irgendwer in die Liebe anderer Menschen reinquatschen muss. Kann man den jungen Leute nicht einfach ihr Glück und ihre Naivität lassen?! Aber, jaja, ich weiß schon, das wäre kein interessanter Stoff für einen Bestseller.

Doch vielleicht kann man als Leser wenigstens daraus lernen und sich im wahren Leben in Toleranz üben.

Im Großen und Ganzen hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und es war immer wieder schwer in die Wirklichkeit zurückzufinden, nachdem ich es zugeklappt hatte. Wie so oft war ich davon beeindruckt, wie durchdacht die Geschichte war. Am Anfang habe ich mich echt manchmal gefragt, wie der Autor dieses Gewirr von Fakten wieder Auflösen will. Besonders der Mann ohne Gesicht, der „Teufel“, war mir ein Rätsel, weil ich mir einfach nicht vorstellen könnte, wie ein Mann im wahrsten Sinne des Wortes derartig sein Gesicht verlieren kann. Aber am Ende macht tatsächlich alles Sinn und die Geschichte geht sogar noch in drei weiteren Bänden weiter, die ich definitiv in Angriff nehmen werde, sobald ich ein bisschen Ordnung in meinen eigenen kleinen Bücherfriedhof gebracht habe.

Die nächste Station meines „Marathons“ ist das Buch „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner, ein Buch, das sehr gut als Anschluss an „Der Schatten des Windes“ passt. Warum, erkläre ich nächstes Mal!

Lesemarathon

Da ich so unendlich viele Bücher in meinem Zimmer stehen haben, von denen ich geschätzt die Hälfte nicht gelesen habe, hatte ich die Idee, jetzt wo ich gerade sowieso noch in Freiburg bin und abgesehen vom Arbeiten nicht viel zu tun habe, diesen Leseberg mal gezielt in Angriff zu nehmen.

Der Plan ist, mindestens einen Monat lang, also vom 31. August bis zum 29. September, alle drei Tage ein Buch zu lesen, es (kurz) hier zu rezensieren und zu entscheiden, ob ich es behalte oder nicht. Außerdem nehme ich mir vor, in diesem Zeitraum keine neuen Bücher anzuschaffen (geschenkte Bücher sind eine Ausnahme!)

Wünscht mir Glück, dass ich das durchhalte! Vor allem die fremdsprachigen Bücher werden eine Herausforderung!