Fotomasse

Gerade bin ich drei Jahre meiner Fotomediathek im Schnelldurchlauf durchgegangen, weil ich gerne ein „paar“ (ca. 150 😀 ) für meine Wände, für ein Album und zum Verschenken ausdrucken möchte. Ein scheinbar endloses Unterfangen! Das hört einfach nicht auf! So viele Fotos, so viele Erlebnisse, so viele Erinnerungen, die trotz allem ein bisschen in Vergessenheit geraten sind. Wozu machen wir eigentlich diese ganzen Fotos? Natürlich sind ein paar ganz schön anzuschauen, aber es ist heutzutage doch wirklich so leicht geworden, einfach abzudrücken, herumzuexperimentieren, ein Motiv zehn Mal, fünfzig Mal oder auch hundert Mal abzulichten…! Wobei davon dann meistens höchstens ein Foto wirklich gut ist.

Ganz schlimm wird es, wenn ich die Fotos von verschiedenen Leuten auf meinem Computer gesammelt habe. Dann gibt es jedes Motiv gefühlte zwanzig Mal! Natürlich ist es auch interessant die verschiedenen Blickwinkel wahrzunehmen und doch ähneln sich die Bilder oft sehr. Wozu machen wir eigentlich diese ganzen Fotos, wenn wir zumindest viele Landschaftsbilder oder Bilder von Sehenswürdigkeiten in ähnlicher Ausführung über Google finden können?! Wo bleibt bei dieser Masse die Einzigartigkeit der Bilder? Erinnern Bilder nicht allzu oft „déjà-vu-artig“ an ein anderes, bereits zuvor gesehenes Bild? Aber was ist man schon für ein Künstler, wenn man glaubt, nichts neues mehr schaffen zu können?!

Was ich auch sehr interessant fand war, wie sich mein Blick auf die Fotos verändert hat. Manche Fotos, insbesondere Fotos auf denen ich selber zu sehen bin, fand ich unmöglich, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Doch jetzt, Monate oder gar Jahre später, finde ich sie gar nicht mehr so schlimm. Teilweise sogar ganz nett! Es scheint mir, als bräuchte ich ein bisschen Abstand um von meiner eigenen Vorstellung loszukommen und die Fotos einfach so sehen zu können, wie sie sind. Wobei, was heißt schon „wie sie sind“? Auf einer Postkarte habe ich einmal folgendes Zitat gelesen:

Jedes Ding hat drei Seiten.

Eine, die du siehst,

eine, die ich sehe,

und eine, die wir beide nicht sehen.

Überhaupt ist man oft mit eigenen Fotos unnötig kleinlich. Wer mich kennt weiß, dass ich darin mindestens einen Doktortitel habe. Oft schaue ich mir Fotos von mir selber nicht einmal sofort an, weil ich mich zu sehr vor der Differenz von dem Foto zu meiner eigenen Vorstellung fürchte. Und jedes Mal frage ich mich, was nun die Wahrheit ist, meine Sicht, bzw. Vorstellung, oder das Foto? Wahrscheinlich weder noch.

Schon in meiner Zwölftklassarbeit (Waldorfschule 😉 ) habe ich über diese Massenproduktion von Fotos philosophiert und hatte mir eigentlich vorgenommen, das mal ein bisschen in den Griff zu bekommen. Aber letztendlich drücke ich dann doch immer wieder noch mal ab, um das zuvor entstandene Ergebnis zu perfektionieren und immer wieder gehe ich die Fotos danach nicht am Computer noch mal durch, um die zu löschen, die einfach nichts geworden sind. Dafür fehlt mir einfach die Zeit und der Nerv. Und außerdem: man weiß ja nie! Vielleicht brauche ich sie ja doch noch einmal. Und wen juckt dass schon, ob das jetzt ein paar Gigabyte mehr oder weniger sind?!

Grundsätzlich niemanden. Und doch kann ich nicht aufhören mich zu fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, sich auf die Wesentlichen zu konzentrieren.

Wenn das nur so einfach wäre…

Hier mal ein paar Wiederentdeckungen, die ich eigentlich schon länger posten wollte, aber nie einen Anlass dazu hatte. Deswegen ist das auch so eine bunte Mischung!

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Gießenstraße

Als ich meinen Onkel heute besucht habe, hat er mir auf dem Weg zur Eisdiele dieses wunderschöne Sträßchen gezeigt. Habt ihr so was schon mal gesehen?! Ist es nicht einfach nur süß?

Von der Kunst, anzufangen

Du musst nicht großartig sein, um loszulegen, aber du musst loslegen, um großartig zu sein. (Zig Ziglar)

Es gehört unglaublich viel Mut dazu, anzufangen. Sich dem Risiko auszuliefern, zu scheitern, eine Angst, die wir alle in uns tragen; die uns zuweilen lähmt und selten anspornt. Es ist die Angst einen Weg einzuschlagen, dessen Ende im Ungewissen liegt. Er könnte in einem Abgrund enden, der uns verschluckt oder aber an einem unerwarteten, ungekannten Ort, welcher sich als Ziel entpuppt. Denn genau dort ankommen, wo wir es uns vorgestellt haben, werden wir selten.

Wenn er an einem Abgrund endet, liegt die Kunst darin, diesen als Aussichtspunkt zu verstehen. Wenn man jedoch an sein Ziel gelangt, gilt es, sich seines Glückes bewusst zu werden und die Situation zu schätzen wissen.

Werden wir jemals ankommen? Kaum haben wir ein Ziel erreicht, wartet auch schon die nächste Aufgabe. Nie wissen wir, was uns hinter der nächsten Kurve unseres Lebensweges erwarten wird. Aber obwohl wir uns immer nach Sicherheit und Stabilität sehnen, sind es doch genau die Spannungen, die das Leben lebenswert machen. Würden wir schon genau wissen, was unsere Entscheidungen bewirken werden, wären wir wahrscheinlich zu Tode gelangweilt. Wozu müsste man dann noch leben?

Auch wenn es einem selten so vorkommt: Die schönste Zeit ist immer die des Schaffens. Gleichzeitig ist sie die Zeit der größten Ungewissheit. Das ist es, was uns ungeduldig macht und uns wünschen lässt, bereits angekommen zu sein.

Der letzte Wegweiser liegt bereits einige Kilometer zurück und nun muss der eigene Weg gefunden werden. Es muss für ein ungewisses Ende gekämpft werden, in dem alle Hoffnungen liegen und von dem man nicht weiß, ob es überhaupt erreichbar ist. Begegnet man anderen Suchenden kommt der Vergleich auf und die Infragestellung der eigenen Persönlichkeit. Bin ich gut genug? Habe ich überhaupt eine Chance zu bestehen?

Doch ist das Ziel nach all den Mühen und Anstrengungen endlich erreicht, ist plötzlich wieder Zustand des Reisens wünschenswert, weil man dabei noch ein Ziel hatte. Einen Lebenssinn. Aber schon bald ist die nächste Weggabelung zu erkennen, kommen die nächsten Entscheidungen auf einen zu, die getroffen werden müssen und auch eine Hügelkette ist bereits am Horizont zu erkennen.

Es ist die Gegenwart, die wir genießen, die Vergangenheit aus der wir lernen und die Zukunft, die wir anstreben müssen. Wir müssen nicht anfangen, um irgendwann Erfolg zu haben und großartig zu sein. Wir müssen anfangen, um zu leben. Von der Zukunft und den damit verbundenen Ängsten dürfen wir uns nicht einschränken lassen.

Nur das Bewusstsein der Zeit und die damit verbundene Unsicherheit ist es, die uns daran hindert, das zu tun, was wir wollen. Sich der Zukunft und der Vergangenheit bewusst zu sein, ist ein Reichtum und eine Last.

Doch es liegt bei uns, welche Seite der Münze wir sehen. Wir sind frei, die Gegenwart zu wählen und loszulegen. Nur die wenigsten werden von Anfang an großartig sein. Doch wer nicht anfängt, schließt von vornherein aus, großartig zu werden.

Das ist das Risiko des Lebens. Was haben wir schon zu verlieren?