Zwischenstopp in Deutschland

Am 3. August kam ich nachmittags wohlbehalten in Deutschland an. Am nächsten Morgen hatte ich in der Uni Freiburg mein Vorstellungsgespräch für den englischsprachigen Studiengang „Liberal Arts and Sciences“ und nur wenige Tage später hatte ich zu meiner große Freude die Rückmeldung, dass ich angenommen wurde! Nun, dreieinhalb Wochen nachdem ich angekommen bin, sitze ich schon wieder im Flugzeug, um noch einmal fünfeinhalb Wochen das Leben mit den Leuten in Bolivien zu genießen, bevor ich mit dem Studium beginne. Wer hätte das noch vor wenigen Monaten gedacht? Ich am allerwenigsten. In diesem Artikel soll es jedoch vor allem darum gehen, wie es für mich war, zurückzukommen.

Mein erster Eindruck als ich aus dem Frankfurter Flughafen trat war, verdammt, ist das alles grau hier, mit den Asphaltstraßen und großen, grauen Flughafengebäuden! Als ich mir dann, wie seit einem Jahr geplant, meinen ersten Laugenknoten kaufte, hätte ich den Preis mal lieber nicht in Bolivianos umrechnen sollen, denn der belegte Knoten kostete mehr als ich im letzten Jahr durchschnittlich pro Tag für Essen ausgegeben habe. Außerdem kamen mir die Floskeln für’s Bezahlen nicht so richtig über die Lippen und immer wieder wären sie mir beinahe auf Spanisch rausgerutscht. Insbesondere ein „Gracias“ lag mir häufig gefährlich weit vorne auf der Zungenspitze. Überhaupt konnte ich mich bis zum Ende nicht so recht daran gewöhnen, dass ich in der Öffentlichkeit mit Leuten, die ich nicht kenne, „einfach“ Deutsch sprechen kann! Im ICE habe ich mich nach den Bussen in Bolivien gesehnt, wo man immer einen Sitzplatz sicher hatte. Von der Kulanz der netten Zugbegleiterin, die mein, unter der Rail&Fly Nummer nicht auffindbares, Ticket einfach akzeptierte, um mir einen komplizierten Prozess zu ersparen, war ich wiederum sehr positiv überrascht. Draußen rauschte die saftig dunkelgrüne Landschaft vorbei, die noch grüner und schöner war, als ich sie in Erinnerung hatte. Zuhause erwartete mich zu meiner großen Freude mein Cello, das so unglaublich wunderschön und weich klingt, und meine Mutter mit ihrer veganen Wildkräuterernährung, die für mich dann doch irgendwie ein zu großer Kulturschock nach dem bolivianischen Essen war. Überhaupt trat die erwartete Freude über das, besonders von den anderen Freiwilligen, lang ersehnte deutsche Essen bisher bei mir nicht ein. Ich finde es durchaus beeindrucken wie gut und reichlich unser Essen ist, in was für einem Überfluss wir leben und doch konnte ich mich in den letzten Wochen nicht ganz so sehr daran erfreuen, wie manch anderer. Ich empfinde es eher neutral: das eine geht, das andere auch. Wo man is(s)t, ist es schon gut, man muss nur offen sein, sich anzupassen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Trotzdem genieße ich es sehr, endlich wieder eine ernstzunehmende Wahl zwischen Fleisch und einem vegetarischen Gericht zu haben.

Von den Preisen in Deutschland war ich immer wieder auf’s neue schockiert. Ich habe mich doch sehr daran gewöhnt, so wenig Geld auszugeben und jetzt verschwindet das Geld einfach so von meinem Konto. Lebensmitteleinkauf für 15€. Sonst waren das 15 Bolivianos (1€ entspricht etwa 7-8 Bolivianos). Haare schneiden bei Hairkiller (der war doch früher so billig??!!): 27€, weil ich auch noch den Langhaarzuschlag bezahlen musste. Wenigstens haben sie’s gut gemacht. Aber in Bolivien hätte mich der Spaß 60 Bolivianos gekostet. Ein Teller beim Libanesen: 10€. In diesem Fall hat es mir zwar wirklich besser geschmeckt als auf dem Markt in Sucre, aber dort hätte ich für einen üppigen Teller das gleiche in Bolivianos bezahlt – und für einen vegetarischen sogar nur 6 Bolivianos. Die Preise sind also teilweise gleich, obwohl der Euro 7 mal so viel wert ist.

Ich dachte immer, in Deutschland bin ich doch auch viel gereist und ich werde bestimmt einige spontane Reisen unternehmen, aber ich hatte echt vergessen, wie kompliziert und teuer Transportmittel hier sind. Für den Bus von Darmstadt zum Flughafen habe ich das gleiche gezahlt, wie für eine Busfahrt von Sucre nach Santa Cruz – die mehr als 12 Mal so lange dauert. Klar sind die Transportmittel hier um einiges moderner, aber ist das wirklich nötig? Von den Klimaanlagen bekomme ich am Ende doch nur eine Erkältung (dieses Flugzeug ist ein fliegender Kühlschrank!) und die Bussitze in Bolivien sind immer noch die bequemsten, die ich kenne. An das Buchen lange im Voraus kann ich mich im Moment überhaupt nicht gewöhnen. In Bolivien bin ich einfach zur Terminal (Busbahnhof) gegangen und habe mir ein Ticket gekauft, wobei ich mir sogar direkt den Platz aussuchen konnte. In Deutschland geht vieles online oder eben auch nicht, denn dann kann keine Preisauskunft gegeben werden, weil – ja warum eigentlich nicht?! Und warum kann ein Ticket, also die gleiche Leistung, nicht einfach immer das gleiche kosten? Da ich mich nicht an die minutengenauen Abfahrtzeiten gewöhnen kann, tendiere ich dazu, gestresst im Bahnhof rumzugejoggen. Umsteigen ist auch eine Herausforderung für sich, es ist so bequem, einfach die ganze Fahrt über sitzen bleiben zu können. Aber ich will mich auch nicht nur beschweren. In den dreieinhalb Wochen bin ich mehrmals mit meinem Cello Zug gefahren und habe viel Hilfsbereitschaft und Offenheit von meinen Mitfahrern erlebt. Zu meiner Freude wurde sehr häufig darauf angesprochen. Diese Offenheit der Leute und das Interesse daran, sich mit jemanden einfach zu unterhalten, habe ich als sehr schön empfunden.

Ich mag die sauberen, sortierten (Alt-)Städte Deutschlands und gleichzeitig vermisse ich manchmal schon ein bisschen das bunte Chaos aus Bolivien. Auch finde ich es schade, dass die meisten Straßen gepflastert oder zubetoniert sind. Es würde mit dem vielen Regen hier wahrscheinlich tatsächlich nicht gut funktionieren, aber es fehlt mir einfach so ein bisschen der Kontakt zur Erde.

Überhaupt ist mir bewusst geworden, wie sehr Kultur und z.B. auch Mode von dem jeweiligen Klima abhängt. In Sucre, wo das Klima das ganze Jahr über ähnlich ist, kann man auch das ganze Jahre über das gleiche anziehen. In Deutschland muss man seinen Kleiderschrank im Winter mit den Winterklamotten bestücken und immer darauf gefasst sein, dass es anfangen könnte zu regnen. In Sucre kann man sich zu 90% darauf verlassen, dass es im Herbst, Winter und Frühling kaum regnet und damit ganz anders planen. In Deutschland müssen wir doch immer noch einen Plan B haben, damit das Programm nicht wegen einem Wolkenbruch ausfallen muss. Wenn wir Pech haben, regnet es mal drei Tage oder mehr am Stück, was schon auf das Gemüt und die Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, schlagen kann. In Sucre geht ein Regen dahingegen immer schnell vorbei und dann erstrahlt auch schon wieder der immer blaue, wolkenfreie Himmel auf’s neue.

DSC02873

Das große Problem an diesem Dauerschönwetter ist jedoch, dass das Klima recht trocken ist, was sowohl zu Wasserknappheit führt, als auch der Grund dafür ist, dass mir das Grün fehlt.

In Bolivien hatte ich ja immer das Gefühl, dass Deutschland durchschnittlich zwar schon recht hellhäutig ist, aber doch viel bunt gemischt als ich Bolivien empfunden habe. Ich habe den Eindruck, dass es dadurch auch einfacher ist, egal mit welcher Haut- und Haarfarbe seinen Platz zu finden, weil man nicht direkt als Ausländer abgestempelt wird, da es inzwischen einfach viele gibt, die nicht blond und blauäugig, aber in Deutschland aufgewachsen sind. Gleichzeitig war ich mir nicht sicher, ob ich mir das vielleicht doch nur eingebildet hatte. Doch nun kann ich berichten: Ich empfinde es immer noch so. In den Straßen gibt es einfach alles und obwohl ein buntes indisches oder afrikanisches Kleid doch auffällt gibt es auch bei der Mode viele unterschiedliche und dennoch akzeptierte Stile, die oft mehr über die Persönlichkeit, als über die Herkunft aussagen.

Ich war überrascht darüber, wie viele Fremdsprachen ich so in den Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln hören konnte! Als ich in der Sportarena ausschließlich von Französisch und arabischen Sprachen umgeben war, habe ich mich schon gefragt, wie sich dieses multikulturelle Leben einmal auf unser zukünftiges Zusammenleben auswirken wird. Ich finde es ja durchaus spannend und mache absolut mit und dennoch werden wir uns darauf einstellen müssen. Wie gehen wir damit um, dass vielleicht eines Tages ein Großteil der Menschen nicht mehr der Landessprache mächtig sein wird? Werden wir uns letztendlich doch weltweit auf eine Sprache (Englisch?) einigen? Was wird mit den anderen Sprachen passieren? Werden sie weiterhin in den Familien und entsprechenden Freundeskreisen gesprochen werden? Für mich habe ich jedoch noch einmal festgestellt, wie wichtig eine gute Integration der Menschen, die in einem anderen Land leben, als in dem sie aufgewachsen sind, ist. Dabei geht es mir gar nicht in erster Linie um die Frage, wer jetzt die Kultur der anderen übernehmen muss, sondern darum, dass sich Freundeskreise bilden, bei denen sich Einheimische und Eingewanderte mischen. Wie viel hat sich für mich nicht geändert, als ich in Bolivien endlich einen bolivianischen Freundeskreis hatte? Man erfährt einfach viel mehr von den Angeboten vor Ort, hat die Möglichkeit die Landessprache zu lernen und sich auszutauschen.

Ich fand es angenehm, mir in Deutschland nicht so viel Gedanken darum machen zu müssen, dass mir etwas geklaut werden könnte. Auch dass die Polizei normalerweise tatsächlich hilfsbereit ist, ist ein Unterschied zu meinen Erfahrungen in Bolivien.

Gleichzeitig finde ich es ein bisschen anstrengend, dass alles so gut geregelt ist. Für was man nicht alles Strafe zahlen könnte, wenn man erwischt werden würde! Immer automatisch den Anschnallgurt zu benutzen habe ich einfach verlernt. Oft fällt es mir erst ein, wenn irgendwas anfängt zu piepen, um mich darauf hinzuweisen. Außerdem habe ich mich noch nicht so richtig wieder daran gewöhnt, Öffnungszeiten ernst zu nehmen.

Vielen von uns Freiwilligen waren recht schockiert gewesen von der hohen Plastikmüllproduktion, die wir in Bolivien erlebt haben, insbesondere durch die ganzen Plastiktüten. Hier in Deutschland werden zwar wirklich kaum noch Einkaufstüten verwendet und teilweise muss man sogar dafür zahlen und dennoch ist unglaublich viel – insbesondere in der Kosmetikabteilung – schon von der Fabrik aus in Plastik verpackt. Ich finde trotzdem, sich in Deutschland wirklich Mühe gegeben wird, aber es gibt auch noch Verbesserungspotential.

Ich mag diese Kultur des Spazierengehens. Auf dem Weg zum Jesuitenschlößchen den Schönberg hinauf, sind wir so vielen Menschen begegnet, die ganz wunderbar ausgeglichen, glücklich und offen wirkten und oft in intensive Gespräche vertieft waren. Das habe ich in Bolivien nie so gesehen.

Als ich vom Schönberg auf Freiburg heruntergeschaut habe, konnte ich wirklich gut verstehen, warum das Grün mir so gefehlt hatte. Mit den noch frischen Bildern vom immer rot-braunen Sucre im Kopf kam mir Freiburg beinahe wie ein Dschungel mit Häusern dazwischen vor.

DSC04851

Aus all diesen Erfahrungen nehme ich auf jeden Fall mit: um etwas neues erleben zu können, muss man loslassen und gerade wenn man irgendwo für ein Jahr hingeht, kommt man da früher oder später eh nicht drum herum. Auch wenn es nicht einfach ist, habe ich für mich gemerkt, dass ich mich bisher an alles gewöhnen konnte. Wichtig ist einfach, dass man das genießt, was man gerade hat und dem Rest nicht hinterher trauert, denn man kann einfach nicht alles gleichzeitig haben.

Advertisements

Kronenbrückenschach

Anmerkung: Ich habe diesen Artikel bereits um Weihnachten 2015 geschrieben, aber irgendwie nie veröffentlicht. Eigentlich weiß ich gar nicht, wie es bei der Kronenbrücke aktuell aussieht, aber ich hatte solchen Spaß dabei, diesen Artikel zu schreiben, dass ich ihn doch gerne noch veröffentlichen möchte. Außerdem wird bestimmt der ein oder andere die Erfahrungen, die mich zu diesem Artikel inspirierten, mit mir teilen können 😉 

Ab und zu werden sogar Beamte kreativ. Geradezu verspielt sogar, so unglaubwürdig es auf den ersten Blick auch scheinen mag. Doch folgendes wird Sie von dieser überraschenden These meinerseits umgehend überzeugen. Da Freiburg ja sowieso schon die „Fahrradstadt“ Deutschlands ist, dachten sich unsere lieben Stadtplaner aus dem freiburger Rathaus wohl: „warum geben wir ihnen nicht mal eine neue Herausforderung?! Fahrrad fahren sie eh schon, da können sie doch gleich auch noch ihre strategischen Fähigkeiten trainieren!“ Das Ergebnis dieses leicht wahllos anmutenden Brainstormings ist das sogenannte „Kronenbrückenschach“. Das Ganze findet, wie der Name schon vermuten lässt, tagtäglich bei der freiburger Kronenbrücke statt, genauer gesagt auf der Behelfsbrücke für Fahrradfahrer und Fußgänger, die die Stadt uns großzügigerweise einzig und allein für diesen Zweck seit einigen Monaten zur Verfügung gestellt hat. Mitmachen können alle die Lust haben, geeignet ist das Spiel für jede Altersgruppe. Schülern der oberen Klassen kann ich insbesondere die Mittagszeit empfehlen. Hier werden sie sehr leicht Anschluss finden, denn um diese Zeit werfen sich die Schüler der naheglegenen Schulen in das, dann besonders stürmisch zugehende, Gefecht. Doch das stört die Jugend ja nicht, nein, das lässt die Partie doch erst richtig spannend werden!

Die Regeln sind simpel: Das allgemeine Ziel ist, auf die andere Seite des Schachbretts – pardon, der Dreisam – zu gelangen. Dabei müssen auf beiden Seiten eine Ampel und die, die beiden Ufer verbindende, Behelfsbrücke überquert werden. Keine Sorge, Schummeln geht nicht, denn die Kronenbrücke selber ist aktuell gesperrt, da sie abgerissen werden soll um nach erfolgreich abgeschlossener Dienstzeit einem jüngeren Exemplar die Chance zu geben, die gelernten Fähigkeiten praktisch anzuwenden. Ob das „Brückenschach“ bei Dienstbeginn der Nachfolgerin weiter fortbestehen wird, steht noch zur Diskussion. Dem Andrang nach scheint es recht beliebt zu sein, doch bis diese Frage wirklich aktuell wird, haben wir zum Glück noch einige Jahre Zeit.

Aber genug von den unbedeutenden Randinformationen, zurück zu den Spielregeln, damit auch Sie sich sobald wie möglich an einer Partie erfreuen können. Das reine Überqueren hört sich erst einmal nicht wie eine außergewöhnliche Herausforderung an. Doch verzagen Sie nicht, denn den reizvollen Teil des Spiels habe ich Ihnen noch gar nicht verraten: spannend wird es nämlich hauptsächlich an den beiden Ballungszentren der Auseinandersetzung, den Ampeln, wie Sie bestimmt unschwer erraten konnten. Hier ist all Ihr strategisches Können gefragt, denn es geht heiß her, wenn die beiden Parteien aufeinander losstürmen, beide mit dem Ziel, so schnell wie möglich auf der anderen Seite anzugelangen.

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen empfehlen, sich davor zu hüten, das Gefecht als Fußgänger anzutreten. Mit einem Zweirad ist zwar die Gefahr umzukippen höher, aber bitte, Sie als Freiburger müssen solchen Bedingungen doch locker gewachsen sein! Ich kann Ihnen versichern, dass, einer Statistik zufolge, ein Fahrrad die Chancen darauf, dass Sie Ihre Gegner schachmatt setzen werden gleich um einige Prozent steigen lässt. Sie wirken einfach ganz anders!

Wenn Sie jedoch von auswärts angereist sind, um unsere einzigartige Attraktion einmal aus der Nähe zu erleben, sollten sie das Rad vielleicht doch erst einmal auf der einen Uferseite anschließen. Wohlgemerkt anschließen, die freiburger Fahrraddiebstahlszene ist nicht zu unterschätzen! Gerade bei einem so beliebten Freizeitangebot wie dem „Kronenbrückenschach“ ist die Gefahr, Opfer der „FaDies“ (Fahrraddiebe) zu werden, besonders hoch. Doch wenn Sie ein hochwertiges Schloß aus einer spezialisierten Fahrradhandelsstelle einsetzen, werden Sie sich wohl unbesorgt einigen Übungsrunden zuwenden können, um sich daraufhin, mit dem wohligen Gefühl von Sicherheit, auf’s Rad zu schwingen. Eines sei Ihnen jedoch noch ans Herz gelegt: Fußgänger sind wie Bauern, die gehen immer als erstes drauf. Aber lassen Sie sich nicht einschüchtern, Sie machen das schon!

Sollte es Ihnen aus genannter Ursache oder auch aus anderem Grunde nicht möglich sein, sich den einschüchternden Eindruck des Zweirades zum Vorteil zu machen, rate ich Ihnen zu einem Kinderwagen. Notfalls tut’s auch ein Rollator – aber Sie müssen schon zugeben, dass so ein Kinderwagen noch mal eine ganz andere Liga ist, nicht?

Lassen Sie uns also einmal eine beispielhafte Partie gemeinsam durchgehen: Während die Ampel auf Ihrer Startseite noch rot ist, haben Sie die Möglichkeit, sich nach eigenem Ermessen strategisch gut zu positionieren. Grundsätzlich gilt, dass man am Rand schneller durchkommt, doch Sie sind ja nunmal nicht der einzige, der diesen Gedanken gefasst hat, sodass ein Startplatz in der Mitte durchaus in Erwägung gezogen werden sollte. Aber überlegen Sie nicht zu langen, denn ehe man sich’s versieht ist die Ampel auch schon grün und das Spiel beginnt.

Jetzt müssen Sie alles geben. Sich schnell rechts an einem entgegenkommenden Radfahrer vorbeischlängeln, drei Fußgänger links liegen lassen und dabei die ganze Zeit ihre Mitstreiter im Auge behalten, sodass Sie eventuelle Überholmöglichkeiten ergreifen können, wenn Sie Ihnen gegeben werden. Und lassen Sie sich nicht von Beschimpfungen der gegnerischen Partei einschüchtern, würden Sie einem so starken und gut vorbereitetem Gegner wie Ihnen selbst begegnen, müssten Sie vielleicht auch hin und wieder Ihrem Frust Luft machen. Aber bleiben Sie fair und verkneifen Sie sich ein selbstzufriedenes Grinsen, wenn Sie mal wieder einen Gegner gefährlich ins Schwanken oder sogar soweit gebracht haben, dass er, wenn er ein Radfahrer ist, zur Sicherheit einen Fuß auf den Boden setzen muss, weil Sie sich nicht einigen könnten, auf welcher Seite Sie aneinander vorbei fahren. Besonders erfüllend ist es, wenn ein Fußgänger zur Seite springen muss, weil Sie zu überzeugend unterwegs waren.

Dann ist der erste Teil auch schon geschafft und sie können beim Überqueren der Behelfsbrücke ein bisschen zu Atem kommen. Wenn Sie die Partie von der Kronenstraße aus angetreten haben, passen Sie, gerade wenn Sie noch nicht so viel Erfahrung haben, auf, dass Sie nicht aus der Kurve fliegen. Aber Sie können mir glauben, auf die Behelfsbrücke runterzurollen, um die Kurve zu sausen und dabei den Fahrtwind in den Haaren zu spüren, das sind die Momente, in denen man sich erinnert, dass das ganze hier einen Sinn hat, und sei er nur, sich beim bergabfahren den Wind durch’s Gehirn pusten zu lassen.

Wenn Sie die Partie aus der Stadt kommend angetreten haben, ist dies ein etwas kniffeliger Abschnitt, denn es geht steil bergauf und sie müssen einmal so richtig in die Pedale treten. Doch mit etwas Training können Sie gerade das zu Ihrem Vorteil machen: Wie oft habe ich nicht schon gesehen, wie der ein oder andere, der die Strapazen des Spiels unterschätzt hatte, erschöpft vom Sattel rutschen und seinen Drahtesel schieben musste. Das haben Sie nicht nötig! Sorgen Sie mit etwas Training vor und nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, auch den letzten penetranten Gegner auszustechen. Das gleiche kann Ihnen ebenso mit einem schweren Kinderwagen oder Rollator zum Verhängnis werden – Unterschätzen Sie das bitte nicht, wenn Sie einen Platz auf der Bestenliste anstreben.

Bleiben Sie jedoch immer entspannt und gehen Sie das Spiel locker an. Wenn ich merke, dass ich mal wieder zu sehr auf den Sieg fixiert bin, rufe ich mir immer wieder gerne ein Zitat von Tarrasch ins Gedächtnis: „Die Gegner setzen sich selber matt. Man muss nur etwas warten.“ Zu verbissen zu sein, lässt Sie engstirnig werden und verringert somit Ihre Chancen auf den Sieg.

Die zweite Ampel ist nun das Finale. Setzen Sie noch einmal alle Ihre strategischen Fähigkeiten ein, positionieren sie sich gut, um bei „grün“ ein letztes Mal alles zu geben und diese Runde hoffentlich siegreich abschließen zu können.

Ich hoffe, Ihnen hiermit die ersten Schritte in das Leben eines Kronenbrückenschachspielers zu erleichtern, doch vergessen Sie nicht: auch als Kind brauchten Sie etwas Zeit, um das Laufen zu lernen. Verzeihen Sie es sich also, wenn Ihnen nicht gleich Ihr erster Versuch einen Sieg beschert. Und selbst als erfahrener Spieler kann es mal nur für den zweiten oder dritten Platz reichen, denn „es genügt nicht, ein guter Spieler zu sein, man muss auch gut spielen.“

Zuletzt möchte ich Ihnen noch unsere Kronenbrückenschach-App Nahe legen, die Sie sich für nur 4,93€ im App Store und bei Google Play herunterladen können und mit der Sie nie wieder die Übersicht über Ihre heldenhaften Siege verlieren werden.

In diesem Sinne: machen Sie sich gleich auf, um eine erste Runde zu spielen! Verschwenden Sie Ihre kostbare Lebenszeit nicht mehr mit anderen Dinge als dem einzigartigen und sensationellen freiburger Kronenbrückenschach!

Ich hoffe, Sie bald auf dem Spielfeld anzutreffen, bis dahin, alles gute!

P.S.: Passen Sie auf, dass Sie im Eifer des Gefechts nicht ins Wasser fallen!